Australien: 85 Grad heißer als die USA

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Eiszeit oder Heißzeit? Temperatur-Welten liegen gerade zwischen dem Osten der USA und Australien. Während die Vereinigten Staaten in extremer Kälte bibbern, die sogar Florida Schnee bescherte, erlebt Australien den heißesten Sommer seit Langem. Deutschland dagegen wird nass. Ein Überblick.

Klima Global

Extreme Hitze im australischen Sommer

Es ist heiß in diesem australischen Sommer – sehr heiß sogar. Im Süden des Landes halten Buschbrände die Feuerwehr in Atem. In den Bundesstaaten Victoria und Südaustralien brannten Häuser nieder, große Flächen mit Busch und Grasland standen in Flammen. In Currum Downs, einem Vorort südöstlich von Melbourne, hatte sich zuletzt eine breite Feuerfront gebildet, wie die australische Nachrichtenagentur AAP meldete. Mindestens ein Wohnhaus sowie mehrere Schuppen und Zäune wurden zerstört oder beschädigt. 30 Häuser wurden zeitweilig evakuiert. Die Brandbekämpfer waren die ganze Nacht im Einsatz, um die Flammen zu löschen. Der Brand war am Samstagnachmittag bei Außentemperaturen von über 40 Grad Celsius ausgebrochen. Ein 15-jähriges Mädchen, das das Feuer verschuldet haben soll, werde sich nun in Kürze vor einem Jugendgericht verantworten müssen, meldete AAP weiter.

In der Gemeinde Sherwood im Bundesstaat Südaustralien wurde ein Feuerwehrtrupp zeitweilig in seinem Fahrzeug von Flammen eingeschlossen, blieb aber unversehrt. Nach Angaben der Brandschutzbehörden verbrannten 12 100 Hektar Busch- und Farmland. „Eine Anzahl Häuser und anderer Bauten fielen dem Feuer zum Opfer“, hieß es in einer Mitteilung. Am Sonntag schien rund um Sherwood das Schlimmste vorüber, nachdem die Temperaturen wieder gesunken waren.

In Adelaide, der Hauptstadt Südaustraliens, waren 42,3 Grad Celsius gemessen worden. Das wurde noch getoppt von Sydney: Die Millionenmetropole hat am Sonntag den heißesten Tag seit Jahrzehnten erlebt. In der westlichen Vorstadt Penrith wurde mit 47,3 Grad Celsius die höchste Temperatur seit dem Jahr 1939 gemessen.

Die Hitze zwang dort Spitzensportler in die Knie: Tennisstars mussten das Spielfeld bei einem Vorbereitungsturnier auf das Grand-Slam-Turnier Australian Open verlassen. Die französische Tennisspielerin Kristina Mladenovic unterbrach das Spiel und verwies dabei auf die Belastung durch die Hitze. Auf dem Platz hätten zu Beginn wahrscheinlich 50 Grad geherrscht, schrieb die Elfte der Tennis-Weltrangliste auf Twitter.

Auch beim letzten Spiel des beliebten Cricket-Turniers Ashes zwischen Australien und England wurde am Sonntag ein neuer Hitze-Rekord aufgestellt. Wetterstationen in der Nähe des Cricket-Stadions von Sydney meldeten Temperaturen von bis zu 43,7 Grad. Der bisherige Höchstwert bei einem Cricket-Spiel in Australien sei wohl mit 43,1 Grad in Adelaide im Jahr 1908 gemessen worden, berichtete die Zeitung „Sydney Morning Herald“ unter Berufung auf den australischen Wetterdienst. Die Regierung verhängte ein vollständiges Feuerverbot, um das Risiko für weitere Brände zu senken, die im Sommer immer wieder auftreten.

Seit dem Jahr 1910 erhöhten sich die Temperaturen in Australien um rund ein Grad, wie es in einem Bericht der Wetter- und Forschungsbehörde CSIRO heißt. Experten warnten, der Klimawandel habe zudem die Temperaturen im Wasser und auf dem Land steigen lassen. Die Folge seien mehr extreme Hitze- tage und schwere Feuerperioden.

Bereits im vergangenen Sommer waren landesweit mehr als 200 Wetterrekorde gebrochen worden. Zwischen Dezember 2016 und Februar 2017 herrschte eine starke Hitzewelle mit Buschfeuern und Überschwemmungen.

Extrem kalter Winter im Osten der USA

Den eisigen Gegenpart zur Hitze in Down Under erleben derzeit die Menschen an der Ostküste der USA: Dort herrscht seit Tagen eine beispiellose Kältewelle. Mehr als ein Dutzend Menschen sollen bislang ums Leben gekommen sein, melden US-Medien.

Tatsächlich suchen die Temperaturen ihresgleichen: Während New York nach einem Wintersturm eingeschneit wurde, wurde Boston von einer Flut mit Pegelständen bis zu 4,6 Meter Höhe getroffen, Teile der Innenstadt versanken in eisigen Fluten, mehrere Küstenorte wurden überschwemmt. In Worcester im Bundesstaat Massachusetts sanken die Temperaturen auf minus 23 Grad Celsius. 1942 waren dort minus 21 Grad gemessen worden.

In Teilen der US-Bundesstaaten Connecticut, Maine, Massachusetts, New Hampshire, New Jersey, New York, North Carolina, Rhode Island, Vermont und Virginia lag der Schnee mehr als 30 Zentimeter hoch, wie der US-Wetterdienst NWS mitteilte. Tausende Schneepflüge waren zur Räumung der Straßen im Einsatz.

Der New Yorker Flughafen John F. Kennedy stand wegen eines kältebedingten Rohrbruchs teilweise unter Wasser, eines der sechs Terminals musste gesperrt werden. Flugverbindungen wurden gestrichen, mehr als 3400 Flüge waren verspätet, zeitweise waren tausende Haushalte wegen des Sturms, der als „Bombenzyklon“ bezeichnet wurde, ohne Strom.

Die Kälte traf auch den ansonsten sonnenverwöhnten Staat Florida und bescherte ihm den ersten Schnee seit 29 Jahren. Menschen meldeten dort Kurioses: Es regnete Leguane. Die wegen der sehr niedrigen Temperaturen erstarrten Tiere stürzten schlichtweg aus den Bäumen. Ein Journalist veröffentlichte auf Twitter ein Foto eines Grünen Leguans, der – auf dem Rücken und die Beine starr in die Luft gereckt – neben seinem Swimmingpool liegt. Andere Twitter-Nutzer posteten ähnliche Fotos. „Bei vier Grad Celsius können Grüne Leguane erstarren, weil ihr Blut nicht mehr fließt“, erklärte Sarah Lessard von der Naturschutzkommission Floridas. Wird es wärmer, regen sich auch die Tiere wieder.

Ein Widerspruch zur globalen Erwärmung ist der extreme Kälteeinbruch nicht, wie Forscher vom Potsdam-Institut für Klimaforschung (PIK) erklären. US-Präsident Donald Trump hatte angesichts der Temperaturen erneut per Twitter die Erderwärmung in Abrede gestellt. Doch die aktuelle Kälte, so die Forscher, sei fast ausschließlich regional auf die USA beschränkt. „Global gesehen ist es momentan viel wärmer auf der Erde als normalerweise“, sagt Marlene Kretschmar vom PIK. In Deutschland war es an Silvester bis zu 16,1 Grad warm (siehe Kasten).

Der Osten der USA stehe unter dem Einfluss polarer Kaltluft. Inzwischen blickt Nordamerika wieder milderen Tagen entgegen: Die Lage an der Ostküste entspannt sich laut Wetterdienst langsam, die Kaltfront zieht ab und die Temperaturen sollen wieder steigen. Kathrin Brack

mit Material von dpa und afp

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