Auffanglager in Libyen?

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Flüchtlingswelle aus Nordafrika. Die Balkanroute ist abgeriegelt.

Ein Ende der Flüchtlingsströme aber ist nicht abzusehen. Sie werden umgeleitet. Will Europa den Zustrom nachhaltig stoppen oder zumindest kontrollieren, bleiben wohl nur zwei Optionen: der Ausbau der Grenzen des Kontinents zur Festung, oder den Zustrom bereits in Asien oder Afrika zu stoppen.

Eine Herkules-Aufgabe, bei der man – nicht nur mit Blick auf die Zustände in den Herkunftsländern der Flüchlinge und die Brutalität der Schlepper – auch humanitär rasch an Grenzen stoßen wird. Allein in Libyen warten bis zu einer halben Million Menschen darauf, ein Boot in Richtung Europa besteigen zu können. Um jeden Preis. Die 500 000 bilden nur die Spitze des Eisbergs.

Auffanglager in Libyen? Der Gedanke drängt sich (wieder einmal) auf. Aber wo, und wer soll sie kontrollieren und sichern? Das würde einen Militär-Einsatz der EU, der Nato oder der UN bedingen. Mit anderen Worten: einen weiteren Krieg mit westlicher Beteiligung auf islamischem Boden. Und gegen wen? In Libyen ringen zwei verfeindete Regierungen und der IS um die Macht. Jeder bekämpft jeden. Es herrscht blankes Chaos, an dem zum Teil auch der Westen die Verantwortung trägt. Er ist zum Handeln gezwungen, doch was immer auch geschieht: Eine nachhaltige Lösung des Problems ist nicht in Sicht.

Werner Menner

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