DIE PROMI-REAKTIONEN AUF REDE, RÜCKTRITT UND SINGSPIEL: HORST SEEHOFER AMÜSIERT SICH ERHEBLICH MEHR ALS MARKUS SÖDER

Auch der „gschnapperte Krippl“ ist nicht eingeschnappt

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Alexander Dobrindt

Nach der Rede sitzen sie alle da vorne, die Großkopferten, und schauen recht verdutzt.

Aber diesmal nicht sauer, verletzt, verkniffen und schmollend, heimlich schon die Protestbriefe an den Brauereichef und den BR-Intendanten formulierend – sondern ehrlich überrascht. Mit ihrem Rücktritt auf offener Bühne hat Luise Kinseher, die Mama, alle kalt erwischt. „Ich hatte überhaupt keine Ahnung“, sagt selbst Horst Seehofer – was man von ihm selten hört.

Dass die Stimmung eher verdutzt-wehmütig ist, liegt daran, dass Kinseher einen scharfen, aber nicht verletzenden Ton getroffen hat. „Es war eine sehr starke, vielleicht ihre stärkste Predigt“, sagt der Ministerpräsident: „Eine Scharfkantigkeit, die nicht verletzend ist.“

Auch jene, die die Mama härter rangenommen hat, urteilen milde. Allen voran Andreas Scheuer, der CSU-Generalsekretär, der sich einen „gschnapperten Krippl“ und „Rotzlöffel“ schimpfen lassen musste: „Den Stil von der Mama kennt man“, fängt er an, schiebt dann aber nach: „Dass es ordentlich schnalzt nach dem harten Wahlkampfjahr, war klar.“ Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter nennt die Rede „wahnsinnig pointiert“. Wenn es zu nett wäre, „dann hätte Kabarett seinen Zweck verfehlt“. Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger, von der Mama eher bemitleidet als derbleckt, urteilt: „Die Vorjahre waren manchmal mau, diesmal hat die Rede gepasst wie die Faust aufs Auge.“ Wenn Kinseher wirklich aufhöre, scherzt er, erwäge er ein Volksbegehren dagegen.

Auch FDP-Gast Wolfgang Kubicki aus dem Norden, als „Muschelschubser“ veralbert, lacht mit: „Wir nennen euch dafür Schluchtenjodler“, sagt er. Überhaupt sei er froh, das meiste verstanden zu haben. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt wirkt zwar nicht restlos begeistert, sagt aber: „Ich glaube, sie wollte in ihrer letzten Rede zeigen, dass sie deftig kann.“ Das mit der „Konservativen Revolution“, über die sich Kinseher lustig gemacht hat, werde er ihr nochmal erklären. Jenseits der Politik: FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß spricht von der „besten Rede von Luise Kinseher bisher. Es war total unterhaltsam.“

Die Freude über den Abend hält weitgehend auch nach dem Singspiel. Wie erst der überraschende Abtritt der Mama ist dann der überraschende Auftritt von Uschi Glas das Thema des Abends an vielen Tischen. „Ein absolutes Highlight, so souverän“, schwärmt Musiker Lesli Mandoki.

Im Strom der Begeisterung gibt es allerdings eine Ausnahme. Beim echten Markus Söder, der auf der Bühne von Minute zu Minute in eine negativere Rolle rutscht, ist enden wollende Freude zu beobachten. Auf den Fernsehbildern wirkt er mitunter grantig, in echt hat er sich zwar gut im Griff, versprüht aber keine Euphorie. „Ähm, gut, war schon prima“, sagt er, als er nach dem Singspiel mit seinem Double auf der Bühne steht. „Ein schönes Stück.“ Die Junge Union Bayern, auf der Bühne als doof-brave Söder-Claqueure dargestellt, teilt auf Twitter mit, man sehe das sportlich.

Umso größer ist hier die Begeisterung von Seehofer. Er breitet die Arme aus, als er die Bühne erklommen hat, läuft auf das Merkel-Double zu: „Meine Freundin.“ Alle Charaktere, sagt er, ohne den Söder-Charakter zu erwähnen, „sind sehr gut getroffen“. Er sei sich im Übrigen von Anfang an sicher gewesen, dass der Seehofer-Darsteller von der Bühne nicht zu vertreiben sei. C. Deutschländer/ R. Weise/S. Brenner

Zurück zur Übersicht: Politik

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare