Attacke mit Merkels roter Handtasche

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Wir kleben den Feind: Kanzlerkandidat Peer Steinbrück bestaunt seine neuen Merkel-Plakate. Jürgen Trittin wird bei der CSU zum Mafioso (links). Und umgekehrt (rechts).

Der Wahlkampf wird ein bisschen schmutziger. Die SPD plakatiert Fotos der dösenden Kanzlerin, die Grünen zeigen sie als Zombie. Die Motive sollen Wechselstimmung schüren und Millionen Nichtwähler motivieren.

SPD will KANZLERIN Plakatieren

Der Wahlkampf wird ein bisschen schmutziger. Die SPD plakatiert Fotos der dösenden Kanzlerin, die Grünen zeigen sie als Zombie. Die Motive sollen Wechselstimmung schüren und Millionen Nichtwähler motivieren.

VON CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

München/Berlin – Die Kanzlerin kramt in ihrer roten Handtasche, sieht ein bisschen missmutig aus da mitten im Bundestag. „Privatsphäre: Neuland für Merkel“, steht spöttisch unter dem Foto. Es ist eine Anspielung auf Merkels defensives Verhalten in der Späh-Affäre und eine Erinnerung an ihren unbedachten Satz, das Internet sei für viele „Neuland“. Zwei Gemeinheiten auf einem Plakat: Die SPD zieht mit dem Konterfei der Kanzlerin in einen aggressiven Wahlkampf.

Statt die eigenen Leute zu zeigen, lieber den Gegner unvorteilhaft zu porträtieren: In der Wahlkampfstrategie ist das ein Teil des von Experten so betitelten „negative campaigning“. Die Bundes-SPD will das massiv nutzen. Drei Motive – Print und online – widmen sich Merkel und ihrem Team. Mal döst sie, mal wühlt sie, mal hat sie Blässlinge um sich versammelt.

Die Kanzlerin mache eine „Politik des Stillstands und des Einlullens“, sagt Peer Steinbrück, den man als Kanzlerkandidaten eigentlich auf diesen Plakaten erwartet hätte, bei der Vorstellung der Leitlinien in Berlin. Man wolle sie mit den Motiven „vorführen“. Auf 8000 mobilen Plakatwänden ab 5. August und auf 7000 Großflächen kurz vor der Wahl will die SPD ihre Botschaften kleben, normale Bürger ebenso wie in kleineren Formaten Merkel.

Dahinter steckt ein Strategiewechsel offenbar wegen der mauen Umfragewerte. Im Januar 2012 hatte Parteichef Sigmar Gabriel noch beteuert, man werde keinen „Wahlkampf gegen die Kanzlerin“ führen. Nun aber reifte die Erkenntnis, sie müsse härter angegangen werden, um ihre Popularität zu brechen und um SPD-nahe Nichtwähler vom Sofa zu holen. „Wir haben nie gesagt, dass wir Frau Merkel nicht angreifen“, beteuert jetzt Steinbrück.

Dass man im Internet-Zeitalter überhaupt noch klebt, klingt überraschend. Werbeexperten raten aber, dass das Plakat noch immer eine große Rolle in Wahlkämpfen spiele. „Es wird oft müde belächelt, aber es ist aufdringlich und erinnert in vielen Situationen daran, dass Wahlen bevorstehen“, sagt der Politikwissenschaftler Thorsten Faas zu „ntv“. Damit könne man anders als im Netz verschiedene, neue Wählergruppen erreichen.

Merkel wird wundersam somit auf den Plakaten von mindestens vier Parteien stehen: Neben CDU und CSU sowie der SPD wurde die Kanzlerin bereits von den Grünen geklebt. Zombiehaft in Schwarz-Weiß, mit hängenden Mundwinkeln, blickte sie drein. Auch CSU-Chef Horst Seehofer war, neben Ex-Fraktionschef Georg Schmid, eines der grünen Motive. Als „Chronische Selbstbediener Union“ wurde die CSU da für zwei Wochen auf Litfaßsäulen buchstabiert.

Das war übrigens das einzige Seehofer-Plakat, das bisher zur Wahl klebt. Die CSU fürchtet zwar seit Monaten, dass die Bayern-SPD mit ihrer als bissig bekannten Werbeagentur noch ins „negative campaigning“ einsteigt. Bisher prangte da aber nur SPD-Mann Ude („hält Wort“). Die CSU selbst will bis 5. August ihre Großflächen-Motive eines bürgernahen, hemdsärmeligen Parteichefs geheim halten – Überraschungseffekt.

Für die Gegner-Verspottung ist intern nur der Nachwuchs zuständig. Die Junge Union verbreitete gestern auf Facebook ein Jürgen-Trittin-Plakat im Stile des „Paten“. Zeile: „Ein Angebot, das Sie nicht annehmen können.“

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