Angriff und Verteidigung

Manöver in Weißrussland: Die „Sapad“-Übung ist das Gegenstück zu Nato-Missionen in Osteuropa. Foto: Vayar Military Agency/dpa
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Manöver in Weißrussland: Die „Sapad“-Übung ist das Gegenstück zu Nato-Missionen in Osteuropa. Foto: Vayar Military Agency/dpa

Moskau und Minsk bringen sich in Stellung. Sieben Tage lang halten Streitkräfte beider Länder ein Manöver der Superlative ab. Alles nur zu Übungszwecken, sagt Russland. Der Westen reagiert besorgt – und probt im neutralen Schweden den Ernstfall.

Großmanöver in Russland und ScHweden

Von Claudia Thaler und André Anwar

Moskau/Stockholm – Panzer rollen über Feldwege, Kampfflugzeuge steigen in den Himmel auf, Raketenwerfer werden justiert. Bislang gibt es nur wenige Bilder des umstrittenen russisch-weißrussischen Großmanövers „Sapad“ (Westen), das gestern begonnen hat. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit: Die militärische Führung habe die ersten Anweisungen für die Übung bekommen.

Bei dem Manöver wolle man auf der Grundlage moderner Konflikte trainieren und die Streitkräfte beider Länder schulen, hieß es. Dazu wurde ein Szenario ausgedacht, bei dem die russischen und weißrussischen Streitkräfte gemeinsam gegen die drei fiktiven feindlichen Länder Weischnoria, Lubenia und Wesbaria kämpfen.

Besonders die angrenzenden baltischen Staaten und Polen sind besorgt, dass ein möglicher Angriff auf die östlichen Nato- und EU-Länder geübt werden soll. Das Moskauer Ministerium beschwichtigt, das Herbstmanöver sei Routine: „Die Übung hat einen rein defensiven Charakter und richtet sich nicht gegen einen Staat oder eine Gruppe von Ländern.“

Jedes Jahr wird in einem anderen Militärbezirk ein derartiges Szenario geübt. Im vergangenen Jahr fand im Kaukasus im Süden Russlands eine derartige Übung statt, in den Jahren 2009 und 2013 gab es ebenfalls Manöver mit dem Namen „Sapad“ im Westteil des Landes.

Das diesjährige Manöver wird nach Angaben Moskaus an sechs Übungsplätzen in Weißrussland stattfinden. 250 Panzer und etwa 70 Flugzeuge sollen im Einsatz sein. Zudem sollen taktische Manöver der Luftwaffe in Russland geprobt werden. An dem Großmanöver sollen rund 12 700 Soldaten aus beiden Ländern teilnehmen: 5500 russische und 7200 weißrussische Soldaten. Einige westliche Staaten und die Nato gehen jedoch davon aus, dass die eigentliche Teilnehmerzahl viel höher sein könnte und Moskau und Minsk somit gegen die internationalen Spielregeln verstoßen. Die Zahl von 12 700 nennt Russland demnach nur, um Verpflichtungen zu umgehen, die es als Mitglied der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) eingegangen ist.

Unterdessen probt das eigentlich neutrale Schweden das erste Mal seit 24 Jahren den militärischen Ernstfall im großen Stil. Daran beteiligen sich Streitkräfte aus dem ebenfalls neutralen Finnland, aber auch Nato-Kräfte hauptsächlich aus den USA, aus Dänemark, Norwegen, Estland, Litauen, Lettland und Frankreich.

Noch bis zum 29. September ist dafür fast die Hälfte aller schwedischen Streitkräfte in Bewegung: 21 500 Soldaten und 40 zivile Behörden. Es ist kein Zufall, dass Schweden und die Nato ihr Manöver Aurora 17 fast zeitgleich zum russisch-weißrussischen Großmanöver angesetzt haben. Es geht darum, Stärke zu zeigen. Auch wenn beim umfangreichen Kriegsspiel Russland nicht offiziell als angreifende Macht genannt wird, sind die Parallelen groß. Unter anderem werden feindliche Angriffe auf Stockholm und Gotland simuliert. Die Ostseeinsel gilt als strategisch besonders wichtig, falls russische Streitkräfte die baltischen Länder angreifen sollten oder in der Ostsee aggressiv auftreten.

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