Amerika mauert sich ein

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Er unterschreibt Dekrete und stellt nebenbei die Welt auf den Kopf: Donald Trump, seit einer Woche Präsident der USA.

Die USA unter Donald Trump mauern sich ein und drohen mit Strafzöllen – nicht nur Mexiko richtet sich auf die neue Zeit ein: Im einstigen „Hinterhof“ Lateinamerika buhlen andere immer intensiver um Einfluss, vor allem China. Aber auch die EU könnte an Gewicht gewinnen.

Präsident Trump

Von Georg Ismar und Denis Düttmann

Mexiko-Stadt/Washington – Eine Woche im Amt und schon hat Donald Trump die Welt ziemlich auf den Kopf gestellt. Vor allem das Nachbarland Mexiko ist fassungslos. Die „Washington Post“ zeigt den am liebsten per Federstrich agierenden Trump in Uniform und spricht vom „Caudillo Yanqui“, dem „ersten lateinamerikanischen Präsidenten der USA“. Denn dort ist man solchen Populismus schon fast gewohnt – aber Trump könnte die Nachbarn im Süden in die Arme anderer Partner treiben.

Boliviens Präsident Evo Morales meint: „Ich appelliere an unsere mexikanischen Brüder: Schaut nach Süden.“ Vor allem zwei Dinge haben die Verhältnisse ins Wanken gebracht. Erstens: Der Ausstieg der USA aus der geplanten größten Freihandelszone der Welt, der Trans-Pazifischen Partnerschaft (TPP). Zweitens: Die Drohung mit einer Sondersteuer auf mexikanische Produkte in Höhe von 20 Prozent, um damit eine Mauer entlang der über 3000 Kilometer langen Grenze zu bauen.

Und es lässt aufhorchen, dass der Import von Zitronen aus Argentinien gestoppt worden ist. Dabei galt die Regierung des liberalen Präsidenten Mauricio Macri als neuer wichtiger Partner, nach Jahren des Protektionismus unter den linken Vorgängerregierungen. Trumps Vorgänger Barack Obama war dort und tanzte in Buenos Aires Tango.

Auch wenn völlig unklar ist, ob sich die ganzen Maßnahmen umsetzen lassen, ob der US-Kongress mitspielt, Trump will Worten Taten folgen lassen. Doch dies könnte – neben dem Aus für das Freihandelsabkommen Nafta mit Kanada und Mexiko – in der Region eine neue Zollspirale in Gang setzen. „Vereinfacht gesagt: Jeder politische Vorschlag, der die Kosten von Corona, Tequila oder Margaritas erhöht, ist eine mordsmäßig schlechte Idee. Sehr traurig“, meint der republikanische Senator Lindsey Graham in Anspielung auf Trump und seine Botschaften.

Angesichts der Konfrontation mit Trump und der Absage eines Treffens beider Präsidenten will sich Mexiko unabhängiger von den USA machen. „Wir werden unsere wirtschaftlichen Beziehungen diversifizieren“, kündigte Präsident Enrique Peña Nieto an. Mexiko will sein Verhältnis zu Argentinien und Brasilien stärken und das Freihandelsabkommen mit der EU modernisieren, der Handel mit Asien soll ausgebaut werden. Aber: Mexiko ist wirtschaftlich eng mit den USA verbunden. 80 Prozent der Exporte gehen in die Vereinigten Staaten. Das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern beträgt über 500 Milliarden US-Dollar.

Das Land hat durchaus andere Optionen. Mexiko hat Freihandelsabkommen mit über 40 Staaten und Regionen unterzeichnet. Gerade für die Automobilindustrie ist das Land attraktiv. Es verfügt über eine gut ausgebaute Infrastruktur, ein großes Netz an Zulieferbetrieben und relativ gut ausgebildete Arbeitskräfte. Die Lohnkosten sind mittlerweile niedriger als in China. Auch geografisch liegt Mexiko günstig – zwischen Süd- und Nordamerika, zwischen Asien und Europa.

Wer heute nach Bolivien oder Ecuador fährt, vor 15 Jahren noch Armenhäuser des Kontinents, sieht immer öfter: neue Flughäfen, modernisierte Straßen, Kraftwerke, gebaut von chinesischen Firmen. Im Gegenzug gibt es Zugänge zu Öl- und Gasreserven. In Bolivien buhlt China um die Ausbeutung der weltgrößten Lithiumvorkommen, wichtig für die Herstellung zum Beispiel von E-Auto-Batterien.

Aber auch die Europäische Union könnte an Einfluss in Südamerika gewinnen: Seit Jahren verhandelt man über ein Freihandelsabkommen mit dem Mercosur-Bündnis. Nachdem dieses das sozialistische Venezuela suspendiert hat, könnten die laufenden Verhandlungen in ein Abkommen münden – neben Paraguay und Uruguay sind auch die wichtigen Player Argentinien und Brasilien Mitglieder.

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