Afghanische Polizisten flohen aus Gefecht

Martialisch, aber nicht gerade tapfer: afghanischer Polizist.
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Martialisch, aber nicht gerade tapfer: afghanischer Polizist.

Bundeswehr Kabul/Berlin – Die Sicherheitslage im nordafghanischen Zuständigkeitsgebiet der Bundeswehr ist weitaus schlechter als bisher bekannt.

Nach einer korrigierten Statistik gab es dort im vergangenen Jahr 1228 Anschläge und Angriffe Aufständischer und damit 241 mehr als im Vorjahr, was einem Anstieg von einem Viertel entspricht. Bisher waren nur 1009 sicherheitsrelevante Vorfälle für 2012 erfasst.

Unterdessen gibt es neue Zweifel an der Zuverlässigkeit der afghanischen Sicherheitskräfte. Polizisten sollen Bundeswehr-Soldaten in einem tödlichen Gefecht mit den Taliban alleine gelassen haben. Das Einsatzführungskommando der Bundeswehr bestätigte entsprechende Medienberichte zwar im Grundsatz, wollte aber nicht von Rückzug oder Flucht der Afghanen sprechen.

Bei dem Gefecht am 4. Mai in der nordafghanischen Provinz Baghlan war ein deutscher Elite-Soldat des Kommandos Spezialkräfte (KSK) getötet worden, ein weiterer wurde verwundet. Die afghanische Polizei dementierte die Medienberichte.

Die neuen Zahlen zur Sicherheitslage im Norden gab der stellvertretende Befehlshaber des Einsatzführungskommandos, Konteradmiral, Rainer Brinkmann, in Geltow bei Potsdam bekannt. Der Anstieg sei „die logische Konsequenz der Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen“, sagte er. Diese habe Gegenreaktionen der Taliban hervorgerufen. Der Norden wird inzwischen fast komplett von afghanischen Sicherheitskräften kontrolliert, die Bundeswehr hat nur noch eine unterstützende Rolle.

In der ostafghanischen Stadt Dschalalabad wurden erstmals seit knapp sechs Jahren Mitarbeiter des neutralen Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) zum Ziel von Aufständischen. Zwei Selbstmordattentäter rissen einen Wachmann des IKRK-Büros in den Tod.

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