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Ärger im Hauptquartier der Korruptionsjäger

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Cobus de Swardt

Berlin – Transparency International (TI) sieht sich als Speerspitze im weltweiten Kampf gegen korrupte Eliten, die ihre Reichtümer in Scheinfirmen und Steuerparadiese verstecken.

Doch intern geht es weniger fein zu. Wie schwer sich TI im Umgang mit dem eigenen Personal tut, zeigt ein aktueller Prozess vor dem Berliner Arbeitsgericht. TI strukturiert derzeit das weltweite Sekretariat mit Sitz in Berlin um. Das Sekretariat ist das Nervenzentrum der Organisation. Es unterstützt die nationalen Verbände in ihrer Arbeit. Doch im Laufe der Zeit haben sich erstaunlich viele teure Manager angesiedelt rund um den südafrikanischen Geschäftsführer Cobus de Swardt, der fast zehn Jahre an der Spitze stand. Nun wurde er von einem Teil seiner Aufgaben entbunden.

Um Kosten zu senken, hat TI die Hierarchien geändert und Personal abgebaut. Die Betriebsräte wollten in dieser Situation die Rechte der Arbeitnehmer stärken und einen sogenannten Wirtschaftsausschuss gründen. Ein solcher Ausschuss kann stärker Einsicht in die Finanzen der Organisation verlangen. Das Management von TI versucht, die Gründung zu verhindern. TI zog sogar vor Gericht, um sich zu einem sogenannten politischen Tendenzbetrieb zu erklären, dessen Betriebsräte keinen Wirtschaftsausschuss gründen können.

In der Transparency-Zentrale ist das Klima vergiftet. Offenbar um die Situation zu entschärfen, hat es jetzt personelle Konsequenzen gegeben. Eine Sprecherin von TI bestätigte gegenüber correctiv.org, dass vorläufig Lucas Olo Fernandes als zweiter Geschäftsführer für die Umstrukturierungen zuständig sei. Cobus de Swardt arbeite fortan an der strategischen Ausrichtung und repräsentiere die Organisation nach außen. Bei den internen Streitigkeiten geht es offenbar auch um teure Zweitwohnsitze, die sich einige Führungskräfte außerhalb Deutschlands leisteten, wie aktuelle und ehemalige Transparency-Mitarbeiter sagen. Transparency bestätigte gegenüber Correctiv die Zahlungen, machte zu ihrer Höhe aber keine Angaben.

In einer Sitzung mit dem Betriebsrat Anfang November soll TI weitere Entlassungen angekündigt haben. Einige Angestellte glauben, TI wolle so einen Wirtschaftsausschuss verhindern. Denn den dürfen Betriebsräte nur dann gründen, wenn ihr Unternehmen mehr als 100 Angestellte beschäftigt. Im Sommer arbeiteten noch mehr als 150 Leute bei TI.

In einer Stellungnahme gegenüber correctiv.org erklärte TI die Klage vor dem Berliner Arbeitsgericht damit, dass man den rechtlichen Status der Organisation grundsätzlich habe klären wollen. Der Wirtschaftsausschuss des Betriebsrats könne unberührt von dem Rechtsstreit seiner Arbeit nachgehen. Frederik Richter

Der Autor

ist Mitarbeiter des Recherchezentrums Correctiv. Die Redaktion, die mit unserer Zeitung kooperiert, finanziert sich ausschließlich über Spenden und Mitgliedsbeiträge. Wenn Sie Correctiv unterstützen möchten, werden Sie Fördermitglied. Informationen finden Sie unter correctiv.org.

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