Absturz mit Ansage

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Brasiliens Präsidentin droht Amtsenthebung. Die Regierungskoalition ist geplatzt, das politische Ende der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff rückt näher.

Amtsenthebung droht. Das kommt nicht überraschend. Es ist ein Absturz mit Ansage. Wobei dem Politspektakel, das seit Monaten das fünftgrößte Land der Erde erschüttert, auch der Ruch eines Staatsstreichs anhaftet: Stürzt Rousseff, kommt Vizepräsident Temer zum Zug – und der ist Chef des abtrünnigen Koalitionspartners, der rechtsliberalen Zentrumspartei, die schon länger an einem eigenen Süppchen kocht. Zudem: Ein sinkendes Schiff rechtzeitig zu verlassen, eröffnet neue Chancen.

Rousseffs Popularität ist so niedrig wie nie zuvor. Sie soll Haushaltszahlen geschönt haben, es gab Unstimmigkeiten bei der Wahlkampagne 2014, sie wird mit einem gigantischen Korruptionsskandal in Verbindung gebracht und sie regiert ein Land, dessen Wirtschaft in einer tiefen Rezession steckt. Ihre Politik von einer Mitschuld freizusprechen, ist unmöglich. Sie hat es bis heute nicht geschafft, die Vorwürfe zu entkräften. Die Wut der protestierenden Massen spricht eine deutliche Sprache. Rousseff ist kein Bauern-, sondern ihr eigenes Opfer.

Die Situation erfordert einen raschen Befreiungsschlag. Doch wer soll ihn wie, wo und gegen wen führen? Nicht nur Rousseff, die gesamte brasilianische Politikerelite ist diskreditiert. Und mit ihr die Wirtschaft des Landes. Brasilien, ab 5. August Ausrichter der Olympischen Spiele, stehen – egal, wer regiert – stürmische Zeiten bevor.

Werner Menner

Sie erreichen den Autor unter

Werner.Menner@ovb.net

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