Beutegreifer breiten sich aus

Wolf reißt Tier vor den Toren Münchens - So nah war er noch nie - Experte: Abschuss bringt nichts

Nahaufnahme eines Wolfs.
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Die Wolfsnachweise in Bayern häufen sich, jetzt wurde auch im Landkreis Freising ein Exemplar bestätigt.
  • Armin Forster
    vonArmin Forster
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  • Dominik Göttler
    Dominik Göttler
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Der Wolf breitet sich weiter in Bayern aus. Nun wurde erstmals ein Tier im Kreis Freising nachgewiesen, wie Untersuchungen nach einem Riss in einem Damwild-Gehege belegen. Die Debatte über eine Begrenzung des Wolfsbestands reißt nicht ab.

  • Im nördlichen Landkreis Freising wurde ein Wolf* nachgewiesen.
  • In der Region gibt es weitere Meldungen über tote Wildtiere.
  • Tierhalter fordern auf Bundesebene eine Regulierung der Wolfsbestände.

Mauern – Als am 25. Oktober in einem Damwildgehege bei Mauern im nördlichen Landkreis Freising ein weibliches Tier tot aufgefunden wird, denkt dort noch niemand an den Wolf. Mauerns Jagdvorstand Georg Sixt wohnt 600 Meter Luftlinie von dem Gehege entfernt. Er hat das gerissene Damwild selbst begutachtet und sagt: „Die Pfotenabdrücke im Schlamm waren 13 Zentimeter lang, das Fraßbild wies auf ein Raubtier hin. Aber mit einem Wolf hat natürlich keiner gerechnet. Den gab es bei uns ja bislang nicht.“ Bislang. Denn am 11. November bestätigte das Landesamt für Umwelt nach Untersuchung der genetischen Proben: Es war ein Wolf.

Damit erscheinen auch weitere Meldungen aus der Region in einem neuen Licht. So hatte etwa eine Familie im wenige Kilometer entfernten Thonstetten bei Moosburg ein zerfleischtes Reh im Garten entdeckt – damals wurden streunende Hunde verdächtigt. Und in einem benachbarten Damwild-Gehege bei Mauern wurden ebenfalls tote Tiere gefunden.

Nun ergebe sich auch für den Kreis Freising das klassische Wolf-Dilemma, wie Sixt sagt. „Die Bevölkerung wünscht ihn sich, aber vor Ort will ihn niemand.“ Er betont aber auch, dass er für den Menschen „null Gefahren“ sehe. Ohnehin könnte der Wolf nach nun vier Wochen schon längst wieder hunderte Kilometer weitergezogen sein. Die Nutztierhalter in der Umgebung können nun bei zuständigen Landwirtschaftsämtern eine Förderung für Herdenschutzmaßnahmen wie etwa Elektrozäune beantragen.

In Bayern gibt es nach Zahlen des Landesamts für Umwelt aktuell standorttreue Tiere in sieben Regionen: In den Allgäuer Alpen, im Norden und im Süden des Nationalparks Bayerischer Wald, am Truppenübungsplatz Grafenwöhr, im Veldensteiner Forst sowie in der Rhön. In und um Oberbayern wurden zuletzt Einzelnachweise im Chiemgau, bei Eichstätt und im Landkreis Aichach-Friedberg dokumentiert.

128 Wolfsrudel in Deutschland

Deutschlandweit meldet das Bundesamt für Naturschutz 128 Wolfsrudel, dazu 35 Wolfspaare sowie zehn sesshafte Einzelwölfe. Am verbreitesten sind die Tiere in Brandenburg, Sachsen und Niedersachsen. Angesichts der steigenden Zahlen forderte das Aktionsbündnis Forum Natur, in dem sich etwa der Deutsche Bauernverband und andere Tierhalter mit Jägern und Waldbesitzern zusammengeschlossen haben, die Umweltminister der Länder zur Wolfsregulierung auf. „Mit mindestens 1800 Wölfen ist längst ein Erhaltungszustand erreicht, der es erlaubt, den Bestand zu begrenzen“, sagte Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands.

Damit spielt Krüsken auf den sogenannten günstigen Erhaltungszustand an, der laut FFH-Richtlinie erreicht sein muss, bevor Ausnahmen beim strengen Schutzstatus des Wolfes möglich sind. Allerdings kommt es dabei nicht allein auf die Zahl der Tiere an, wie Uwe Friedel vom Bund Naturschutz in Bayern betont. „Es geht auch darum, ob der Wolf seinen natürlichen Lebensraum wieder besiedelt hat. Und der ist in Bayern ziemlich groß.“

Naturschützer plädieren für mehr Hilfen für Weidetierhalter

In einer Regulierung, also dem Abschuss einzelner Wölfe, sieht Naturschützer Friedel ohnehin keinen Sinn. „Das schürt die falsche Hoffnung bei den Tierhaltern, dass wenn wir ein paar Wölfe schießen, alles wieder gut ist.“ Stattdessen müsse alles dafür getan werden, die Halter beim Schutz ihrer Tiere auf der Weide zu unterstützen. Friedel wünscht sich eine Förderung für Herdenschutzmaßnahmen wie etwa Elektrozäune für Tierhalter in ganz Bayern – nicht erst nach einem Wolfsnachweis für die dortige Region. „Das ist zwar viel Geld auf einmal, aber dafür könnten wir die Wölfe früh erziehen.“ Gerade kleinere Tierhalter oder Almbauern hätten zudem nicht die Kapazitäten für den zeitaufwendigen Herdenschutz. „Hier könnten etwa beim Maschinenring angesiedelte und staatlich geförderte Zaunbauteams helfen“, schlägt Friedel vor. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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