Flüchtlingsdrama auf Lesbos

Österreichs Kanzler Kurz über Moria-Drama: Nicht „dieselben Fehler machen wie im Jahr 2015“

Sebastian Kurz bleibt bei seiner Ablehnung, Flüchtlinge aus dem abgebrannten Lager Moria auf der griechischen Insel Lesbos aufs europäische Festland zu bringen. Er zieht einen Vergleich zur Situation 2015, als sich viele Flüchtlinge auf den Weg nach Mitteleuropa machten.

Wien (dpa) – Österreichs Kanzler Sebastian Kurz hat trotz politischen Drucks das Nein seiner Regierung zu einer Aufnahme von Menschen aus dem abgebrannten griechischen Flüchtlingslager Moria bekräftigt. «Wenn wir diesem Druck jetzt nachgeben, dann riskieren wir, dass wir dieselben Fehler machen wie im Jahr 2015», sagte der konservative ÖVP-Politiker am Samstagmorgen in einer Videobotschaft auf Facebook und Youtube.

Kurz: Vor Ort in Moria für menschenwürdige Versorgung sorgen

In der damaligen Flüchtlingskrise hätten die «schrecklichen» Bilder von Migranten am Bahnhof in Budapest dazu geführt, dass die europäische Politik dem Druck nachgegeben habe. Dann hätten sich mehr Menschen auf den Weg nach Mitteleuropa gemacht, erklärte Kurz.

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Österreich wolle vor Ort für eine menschenwürdige Versorgung sorgen. Außerdem habe das Land in diesem Jahr 3700 Kinder aufgenommen, sagte Kurz. Medien wiesen anschließend darauf hin, dass es sich dabei um Aufnahmen im Rahmen der Familienzusammenführung handeln müsse.

Streit in der österreichischen Regierungskoalition

Mit Blick auf das europäische Handeln sagte Kurz: «Was es nicht braucht, ist Symbolpolitik, sondern viel mehr braucht es echte, nachhaltige finanzielle Unterstützung für die betroffenen Gebiete, eine wirtschaftliche Perspektive für den afrikanischen Kontinent und einen effektiven Schutz unserer Außengrenzen.» Zehn europäische Staaten haben sich zur Aufnahme von insgesamt 400 unbegleiteten Minderjährigen bereiterklärt, von ihnen wollen allein Deutschland und Frankreich je 100 bis 150 übernehmen.

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Um die Aufnahme von einigen der rund 13.000 Menschen aus Moria, die nach wohl von Bewohnern gelegten Bränden im vierfach überfüllten Lager auf der Straße ausharren, war in Österreich ein Streit bis in die Spitze der ÖVP-Grüne-Koalition entbrannt. Der grüne Vizekanzler Werner Kogler bekräftigte am Samstag noch vor Kurz‚ Rede im ORF-Radio, er wolle weiter mit der ÖVP darüber verhandeln. «Wenn das der Herr Söder schafft und jetzt auch der niederländische Premier, der Herr Rutte, ja dann kann das Österreich auch schaffen.»

Rubriklistenbild: © Georg Hochmuth/dpa

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