Mit Metall und Pastell ins Frühjahr

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Volants in Pastell von Viktor and Rolf.

Die Haute-Couture-Schauen in Paris sind zu Ende. Wir sprachen mit der Münchner Mode-Designerin Sonja Kiefer (44) über 100 000 Euro teure Kleider und die Trends im Frühling und Sommer.

Fashion-Shows in Paris

von Katrin Basaran

-Frau Kiefer, waren Sie selbst auch Paris?

Leider nicht (lacht). Als Designer wird man eher nicht zu internationalen Shows eingeladen. Ich habe mir das Ganze im Internet angeschaut.

-Haben Sie ein paar Trends entdeckt?

Couture-Schauen stehen im Unterschied zu Pret-a-Porter-Shows eher für sich und sind nicht wirklich trendgebend. Couture ist Kunst, die Roben sind Kunstwerke, die Schauen ein Happening. Jedes Kleid für sich ist ein Einzelstück und wird in Handarbeit aufwendig gefertigt. Was Haute Couture aber sehr wohltut – sie spiegelt den Zeitgeist wider und ist so etwas wie der Seismograph der Gesellschaft.

-Was kann man aus der vergangenen Haute-Couture-Woche dann schließen?

Es ging doch meist sehr ruhig zu. Die Kulissen waren sehr reduziert. Nehmen wir Chanel: Vor ein paar Jahren hatte man schon mal einen ganzen Supermarkt aufgebaut, jetzt waren da diese schlichten Spiegelsäulen, ein Rondell. Es hatte so eine intime Salonatmosphäre, wo man früher Kleider vorführte. Auch die Modelle erschienen mir bei aller Haute-Couture-Opulenz zurückgenommen – sie waren cleaner als sonst, purer. Und nicht nur bei Chanel. Es war Understatement und Ruhe zu spüren – vielleicht als eine Art Gegenbewegung zu unserer lauten, aggressiven Zeit mit Politikern wie Donald Trump.

-Was geschieht eigentlich mit einem Couture-Kleid nach der Show?

Es gibt sehr wenige Kundinnen dafür. Ein Couture-Kleid kann ja bis zu 100 000 Euro kosten. Man kann sie aber vor Ort erwerben. Dann werden sie an die Käuferin angepasst – wie schon gesagt: Es sind Einzelstücke.

-Würden Sie sich ein Haute-Couture-Kleid kaufen?

Ach nein. Diese Schauen und ihre Kleider sind für mich eher wie ein schönes Theaterstück. Es sind Meisterwerke, die viel Detailarbeit erfordern, viel mit Handwerkskunst zu tun haben und auch mit Tradition. Da werden zum Beispiel alte Stickereitechniken angewandt, die heute nahezu unbezahlbar sind. Und ich finde es toll, dass es so etwas nicht gibt, aber Haute Couture ist für mich kein normaler Part der Mode.

-Dann wechseln wir doch hin zum Alltag: Als Designerin haben Sie die Trends im Blick. Geben Sie uns ein paar Tipps für die kommende Frühjahrs- und Sommermode?

Mit Pastell liegt man in den warmen Monaten nie verkehrt. Man kombiniert sie heuer am besten mit metallischen Materialien rein ins Silber, Gold und Rosé. Das haben wir zwar teilweise schon gesehen, es setzt sich aber nun komplett durch. Es gibt hier zum Beispiel neue Beschichtungen auf Jersey oder auf leichten Chiffon-Stoffen, die dadurch Glanz bekommen. Und wir finden viele strukturierte Oberflächen. Die Silhouette wird fließend, feminin. Ein Thema bleiben große Volants und Rüschen, gern auch ein wenig Asymetrie. Das sind jetzt meine Highlights. Ansonsten bleibt es bei der großen Toleranz in der Mode: Es geht vieles.

-Was geht heuer nicht mehr?

Culottes sind durch – sie waren ohnehin schwierig für die meisten Frauen. Diese wadenlangen, schwingenden Hosen verkürzen zum einen das Bein und betonen zusätzlich breite Hüften.

-Was noch?

Neon wird seltener, grelle Activwear wird wieder weicher und softer. Zusätzlich sind hohe sichtbare Plateaus auf dem Rückzug. Schuhe werden dafür wieder eckiger, mit mittlerer Höhe und breiterem Absatz.

-Worauf freuen Sie sich in der kommenden Saison?

Ich freue mich über ein Revival der langen Tagesröcke. Bitte, liebe Damen, haben Sie keine Angst davor! Diese Röcke stehen fast jeder Frau – im Gegensatz zu Minis, übrigens. Es gibt sie nicht nur in Seide oder in der Hippieversion. Glauben Sie mir: Ein schlichter langer Jerseyrock, leicht ausgestellt, dazu ein Top oder eine Bluse – damit ist man immer gut angezogen.

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