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Beeindruckende Videos: Leider mehrere Verletzte

Tornado in Kiel lässt Menschen durch Luft fliegen: Eine Folge des Klimawandels? Experte sagt „Nein“

Das Videostandbild zeigt einen Tornado am frühen Abend über Kiel. Der Tornado hat nach Angaben der Polizei am frühen Mittwochabend in Kiel mehrere Menschen durch die Luft gewirbelt und ins Wasser gespült.
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Das Videostandbild zeigt einen Tornado am frühen Abend über Kiel. Der Tornado hat nach Angaben der Polizei am frühen Mittwochabend in Kiel mehrere Menschen durch die Luft gewirbelt und ins Wasser gespült.
  • Markus Zwigl
    VonMarkus Zwigl
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Kiel - Menschen werden wie Spielfiguren durch die Luft geschleudert und ins Wasser gerissen: Es sind Aufnahmen wie aus einem Horror-Film. Bei einem Tornado, der über die Kiellinie - eine beliebte Promenade am Ufer - zog, sind am frühen Mittwochabend (29. September) laut Polizei mehrere Menschen zum Teil schwer verletzt worden.

Update, 8 Uhr - Eine Folge des Klimawandels? Experte sagt „Nein“

„Der September endet mit einem meteorologischen Paukenschlag. Gestern Abend hat sich während eines kräftigen Schauer ein Tornado gebildet. Das ist ein kleinräumiger Wirbelsturm. Dabei wurden sogar Menschen verletzt und teilweise ins Wasser geschleudert. Schnell macht das Schlagwort Klimawandel die Runde. Da kann man aber direkt beruhigen. Deutschland war und ist schon immer ein Tornadoland gewesen. Bei uns gibt es jedes Jahr um die 40 bis 60 bestätigte Tornados. Das ist also keinesfalls etwas neues. Schon in den 30er Jahren gab es in Deutschland teilweise eine ausgeprägte Tornadoforschung. Auch in den vergangenen Jahren ist diese Zahl recht konstant geblieben. Es konnte keine Zunahme an Tornados in Deutschland festgestellt werden“, erklärt Diplom-Meteorologe Dominik Jung am Donnerstagmorgen nach dem heftigen Wirbelsturm in Kiel.

Jung unterstreicht, dass Deutschland ein „Tornadoland“ sei. Solche Wirbelstürme gebe es immer wieder, aber nur selten würden diese auf bewohntes Gebiet treffen. Aufgrund der technischen Möglichkeiten könne mittlerweile ein jeder mit seinem Smartphone kleinste Wetterereignisse festhalten und der Öffentlichkeit zugänglich machen. Das erwecke den Eindruck, dass „früher alles anders war“.

„Einen wirklich monströsen Tornado gab es 1968 in Pforzheim. Damals mit leider 2 Opfern und über 200 Verletzten. Das war in der Tat ein Volltreffer auf bewohntem Gebiet. Bei einem Tornado kommt es im Vorfeld innerhalb der Schauer- oder Gewitterwolke zu einer Windscherung. Das bedeutet der Wind verändert mit der Höhe innerhalb der Gewitterwolke seine Geschwindigkeit und Richtung. Damit kann dann eine Rotation einsetzen. Es bildet sich eine Trichterwolke aus. Erreicht dieser Trichter den Erdboden, dann spricht man von einem Tornado“, so Jung.

Erstmeldung:

Bei einem Tornado, der über die Kiellinie - eine beliebte Promenade am Ufer - zog, sind am frühen Mittwochabend (29. September) laut Polizei mehrere Menschen verletzt worden. Mindestens vier Menschen wurden nach Angaben der Feuerwehr bei dem Ereignis gegen 18 Uhr schwer verletzt. Drei hätten zudem mittelschwere Verletzungen erlitten, mehrere Menschen seien leicht verletzt worden.

Bei dem Versuch, zwei Ruderboote aus dem Wasser zu retten, seien mehrere Ruderer auf einem Steg überrascht worden, teilte die Feuerwehr weiter mit. „Sie sind vollständig durcheinander gewirbelt worden und dabei sind auch Leute ins Wasser gefallen.“ Einige hätten umherfliegende Gegenstände an den Kopf bekommen. 60 Helfer waren vor Ort, der Einsatz dauerte etwa zwei Stunden.

Kiel: Experten gehen von Tornado aus

„Auf Grundlage von Bildern gehen wir davon aus, dass es sich um einen Tornado handelte“, sagte Michael Bauditz vom Deutschen Wetterdienst (DWD) der Deutschen Presse-Agentur. Endgültig könne er es noch nicht sagen. Laut Feuerwehr wurden zudem in einem Neubaugebiet in Kiel-Meimersdorf mehrere Dächer abgedeckt. In Kiel-Gaarden seien mehrere Ziegel von Dächern gerissen worden. Im Netz waren zahlreiche Videos des Vorfalls zu sehen. „Das ist ja der Hammer“, hörte man eine Stimme beim Anblick des Tornados auf einem Twitter-Video. Andere hatten mit der Angst zu kämpfen. Eine konkrete Warnung gab es offenbar nicht.

Der Vorsitzende des Ersten Kieler Ruder-Clubs von 1862, Bernd Klose, sagte: „Es sind Menschen betroffen. Das ist traurig.“ Rund um den Verein erinnerten am späten Abend ein umgestürzter Baum, abgerissene Äste oder ein umgekippter Müllbehälter an das heftige Ereignis. „Da ist viel durch die Gegend geflogen“, sagte ein Mitarbeiter eines nahen Lokals. „Das hat alle emotional mitgenommen.“

OB Kämpfer saß im Wirtschaftsausschuss

Zum Zeitpunkt des Vorfalls saß Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) im Wirtschaftsausschuss der Stadt und erfuhr durch eine SMS der Feuerwehr von dem Sturm. Kurz danach habe er eine Kurznachricht seines Sohnes erhalten, der auf dem Weg zum Rudertraining bei dem Club war, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Sein Sohn habe Glück gehabt, sei erst wenige Augenblicke nach dem Tornado dort eingetroffen. „Da sieht man, wie schnell sowas geht“, sagte der Verwaltungschef. Er sprach der Feuerwehr und den Rettungskräften seinen großen Dank aus.

Erst Mitte August hatte ein Tornado schwere Schäden in Ostfriesland angerichtet. Weggerissene Hausgiebel, umgestürzte Fahrzeuge und zahllose Trümmerteile von Dächern und Zäunen zeugten davon, mit welcher Gewalt der Tornado über die Gemeinde Großheide gezogen war. Verletzt wurde laut Feuerwehr damals niemand. Jährlich werden Experten zufolge im Schnitt insgesamt zwischen 20 bis 60 Tornados in Deutschland nachgewiesen.

Tornados in Deutschland nicht ungewöhnlich

Tornados sind Wirbelstürme. Sie entstehen bei großen Temperaturunterschieden und treten in Mitteleuropa häufig zusammen mit Gewittern auf. Dabei reicht aus der Gewitterwolke ein rüsselartiger Wolkenschlauch bis in Bodennähe.

Tornados auf dem Wasser sind zu dieser Jahreszeit nach Darstellung eines Meteorologen nicht ungewöhnlich - auch nicht vor Kiel. Nach Polizeiangaben waren am frühen Mittwochabend mehrere Menschen an der Kiellinie verletzt worden. „So etwas ist absolut nicht vorherzusagen“, sagte der Kieler Diplom-Meteorologe Sebastian Wache von WetterWelt der Deutschen Presse-Agentur. Entstanden sei der Tornado am Rande Kiels im Stadtteil Meimersdorf.

dpa/mz

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