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Interview mit Star aus dem Guglhupfgeschwader

„Liebste Susi“: Lisa Maria Potthoff über #MeToo und wie es mit den Eberhofer-Krimis weitergeht

Lisa Maria Potthoff
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Schauspielerin Lisa Maria Potthoff
  • Katja Kraft
    VonKatja Kraft
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Lisa Maria Potthoff über ihre Präsenz im TV, #MeToo und den neuen Eberhofer. Das Exklusivinterview.

München - Lisa Maria Potthoff sprüht nur so vor Energie. Gut gelaunt kommt die 44-jährige Schauspielerin zu unserem Gespräch in München. Abends steht die Premiere des neuen Eberhofer-Krimis „Guglhupfgeschwader“ an. Es ist der achte Film der Reihe. Wieder spielt Potthoff Eberhofers Liebste Susi. Und von Überdruss keine Spur. Ob sie sich ein Ende der Reihe vorstellen könnte?

Comedy-Talent

Zurzeit auf keinen Fall, betont sie. Und verrät, wie sie, die dauerpräsent im Fernsehen zu sein scheint („Sarah Kohr“, „Herzogpark“), dieses hohe Pensum stemmt. Wohl auch durch ihr Talent, über sich selbst lachen zu können: Wenn sie einem nach dem Interview wort- und gestenreich erzählt, wie sie neulich ihr Gefrierfach abgetaut hat, ist das eine Comedy-Nummer für sich. „Lisa, du bist Komödiantin, weil du auch im Drama die Komödie siehst“, hat ihr mal jemand gesagt. Stimmt. Ihr dabei zuzuschauen, macht großen Spaß.

Ich bin an einer Stelle des Films gestolpert. Wenn Max Simmerl auf Droge mit zwei Frauen im Arm zum Eberhofer sagt: „Du darfst dir eine aussuchen, dann gehen wir vier auf ein Zimmer und dann sind wir Lochschwager. Geil!“ Passt so ein Spruch noch in die heutige Zeit? Oder bin ich da zu übersensibel?

Lisa-Maria Potthoff: Wenn Ihnen das aufstößt, dann haben Sie jedes Recht dazu. Ich selbst freue mich über derben Humor und habe ihn selber. Und muss auch manchmal aufpassen, dass ich keinem auf die Füße trete. Schön fände ich, wenn durch solche Sprüche eine Diskussion entsteht. Denn die Provokation, die man mit politischer Unkorrektheit auslöst, kann auch spannend sein.

Gut gemachte Comedy muss uns auch fordern?

Potthoff: Einen Spiegel vorhalten, genau. Hinterfragen: Wo gehen wir als Gesellschaft zu weit? Was ist frauenfeindlich oder antisemitisch oder in anderer Weise diskriminierend? Und ich glaube, diese politische Unkorrektheit macht auch den Erfolg der Eberhofer-Krimis aus. Die Österreicher können den schwarzen Humor ja fast so gut wie die Briten. Wir Deutschen sind da braver. Deswegen sind aber unsere Komödien auch häufig nicht so lustig.

Gibt es für Sie denn auch Grenzen des schwarzen Humors? Situationen, in denen Sie intervenieren?

Potthoff: Natürlich kam das schon vor, dass ich an einem Filmset in Situationen war, in denen ich mich nicht so wohlgefühlt habe. Als ich noch jünger war, habe ich mich noch nicht getraut, dann immer den Mund aufzumachen. Doch die #MeToo-Debatte hilft auch mir, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, was legitim ist und was nicht. Ich habe vergangenes Jahr eine Situation erlebt, in der ich einen Spruch abbekommen habe – und ich hätte gar nicht gemerkt, dass der frauenfeindlich ist. Erst als mir ein anderer Mann beisprang und zu dem Typen, der den Satz rausgehauen hatte, sagte: „So redest du nicht mit einer Frau!“, wurde mir klar: Stimmt, das geht eigentlich gar nicht. Und ich dachte: Wie furchtbar, das wäre mir nicht aufgefallen! Es ist wichtig, dass wir ein Bewusstsein dafür entwickeln, wo Grenzen überschritten werden. Dass wir gerade die nächste Mädchen- und Frauengeneration noch selbstbewusster erziehen und sagen: Ein Nein ist ein nein. Das ist noch ein langer Weg.

Nicht nur die Mädchen, auch die Jungs ...

Potthoff: Genau, es gibt ja diesen populären Spruch: „Don’t protect your Daughters, educate your Sons!“ Das stimmt. Es ist wichtig, dass die Jungs lernen, dass sie den Mädchen auf Augenhöhe begegnen. Und meinen Töchtern schärfe ich immer wieder ein: Nein heißt nein. Und ich sage ihnen: Du darfst Geheimnisse haben, jedes Kind hat Geheimnisse vor den Eltern. Aber nicht Geheimnisse mit anderen Erwachsenen.

Und wie ist es mit der Solidarität mit anderen Frauen? Es gibt nach wie vor weniger Rollen für Schauspielerinnen als für Schauspieler. Gelingt es Ihnen, da solidarisch zu sein und Kolleginnen für einen Part zu empfehlen?

Potthoff: Um jetzt mal den Ball zu uns Frauen zu spielen und nicht nur auf die Männer zu schimpfen, muss ich sagen: Ich glaube, wir können in dieser Hinsicht noch viel dazulernen. Dass wir uns nicht als Konkurrentinnen empfinden, sondern genauso wie die Männer verstehen, dass uns Netzwerke stark machen. Dass Frauenbündnisse was Wunderbares sind. Ich versuche, Frauen zu unterstützen und nicht die Sorge zu haben, dass mir eine andere ein Stück von der Torte wegnimmt. Nun ist der Schauspielerberuf natürlich tricky. Denn eigentlich werden wir auf der Schauspielschule nicht zu Ensemble-Spielern erzogen, sondern zu Einzelkämpfern. Deswegen machen mir die Eberhofer-Krimis so Spaß, weil immer der Ensemble-Gedanke im Vordergrund steht. Dann ist es egal, ob ich jetzt die Pointe habe oder mein Kollege. Deshalb ist das Arbeiten dort so ein Traum.

Und deswegen wird es nie langweilig? Denken Sie nie: Irgendwie reicht’s doch jetzt auch mit dem Eberhofer?

Potthoff: Nein, ich will jetzt nicht aufhören. Sie kennen das doch auch: Sie machen einen wunderschönen Urlaub in einem wahnsinnig schönen Hotel mit Blick ins Tal – da fahren Sie doch wieder hin! Und sagen nicht: Och, nee, bloß weg hier. Klar sagt man dann mal, heute mache ich einen Ausflug ins Nachbartal. Und genauso macht ja auch jeder von uns Eberhofer-Schauspielern andere Projekte. Dann kommen wir einmal im Jahr zusammen und haben ganz viele Eindrücke gesammelt. Das ist wie an Weihnachten: Da trifft sich die Familie unterm Weihnachtsbaum. Und wir treffen uns, um wieder in unsere Rollen zu schlüpfen. Das ist ja schon auch schön, eine Figur über Jahre zu begleiten. Mit ihr reifer zu werden, sie zu entwickeln. Das funktioniert aber nur, weil das Publikum uns extrem spiegelt: Weitermachen! Das ist solch ein Rückenwind! Wir drehen im Herbst wieder und ich freue mich unfassbar darauf.

Das ist ein Wiedersehen mit Freunden?

Potthoff: Ja, Simon und Sebastian sind meine Freunde. Und mit denen darf ich arbeiten – das ist doch ein Segen!

Jetzt sagten Sie, das sSie alle parallel weitere Projekte haben. Sie schaffen ein irres Pensum. Wie machen Sie das?

Potthoff: Ja, das wird mir immer so nachgesagt. Das Ding ist: Meine Filme werden einfach oft wiederholt! (Lacht.) Wirklich! Ein „Sarah Kohr“-Krimi lief jetzt in der Wiederholung mit einer tollen Quote. Aber es stimmt schon, ich arbeite und spiele sehr gerne. Dazwischen bin ich dann wieder für einige Monate ganz aktiv bei meinen Kindern, bei meiner Familie. Von Mitte März bis Mitte Juni etwa war ich eigentlich durchgehend zu Hause. Diese Zeit genieße ich sehr. Doch ich liebe auch meinen Beruf. Ich finde das schön, unter Menschen zu sein, kreativ zu sein, sich auszutauschen. Ich könnte nicht nur zu Hause sein.

Der Erfolg gibt Ihnen Recht. Was glaubenSie, warum die Reihe so geliebt wird?

Potthoff: Ich kann nur mutmaßen. Wenn man so den Fans zuhört, liegt es glaube ich daran, dass die Charaktere in den Filmen eher Verliererpersönlichkeiten sind. Sie sind sehr nah am Scheitern gebaut. Das macht den Charme aus. Das hat was Herzergreifendes in dieser Komik. Und eben auch, dass es politisch unkorrekt ist, dass es teilweise echt schräg ist. Dass wir tolle Schauspieler als Gäste haben, die sich echt reinwerfen. Man hat ja genug Filme mit schönen, perfekten Menschen. Bei uns ist alles ein bisschen anders, skurriler. Unser Mikrokosmos. In den kommen anscheinend nicht nur wir immer wieder gerne zurück.

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