Letzter „Hindenburg“-Überlebender tot

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Werner Franz ist 14 Jahre alt, als er 1937 im Zeppelin „Hindenburg“ seinen Dienst tut. Er ist Zeuge der Katastrophe und kommt beim Absturz mit dem Leben davon. Jetzt ist er als der letzte Überlebende gestorben.

Abschied eines Zeitzeugen

Werner Franz ist 14 Jahre alt, als er 1937 im Zeppelin „Hindenburg“ seinen Dienst tut. Er ist Zeuge der Katastrophe und kommt beim Absturz mit dem Leben davon. Jetzt ist er als der letzte Überlebende gestorben.

Von Sophie Rohrmeier

Frankfurt/Main – Werner Franz sollte noch 77 Jahre leben. 77 Jahre, nachdem er knapp dem Tod entronnen ist – und im selben Moment Zeuge einer historischen Katastrophe wird. Am 6. Mai 1937 arbeitet Werner Franz, ein Teenager aus Frankfurt, auf der „Hindenburg“. Der Abend dieses Tages endet fatal: Dutzende Passagiere finden ihren Tod in den wohl berühmtesten Flammen der Luftfahrtgeschichte, 62 überleben. Werner Franz kann sich retten. Nun ist er im Alter von 92 Jahren als letzter Überlebender des „Hindenburg“-Absturzes gestorben.

Der Zeppelin LZ 129 war das prestigereichste Luftschiff, das die deutsche Industrie bis dahin hervorgebracht hatte. Benannt nach dem ehemaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, hob der Zeppelin 1936 zum ersten Mal ab. Werner Franz trat in diesem Jahr seinen Dienst an – als Kabinenjunge. Er war 14 Jahre alt.

Am Schicksalstag der „Hindenburg“ fliegt er zum fünften Mal mit, wie John Provan erzählt, ein US-Historiker und alter Freund der Familie Franz. Dreimal schon sei der Bub mit dem zigarrenförmigen Luftschiff in Südamerika gewesen, einmal in den Vereinigten Staaten. Diesmal aber soll der Flug ein dramatisches Ende finden – und damit auch der Weltluftverkehr deutscher Zeppeline.

Denn die 245 Meter lange „Hindenburg“ ist mit 200 000 Kubikmetern Wasserstoff gefüllt. Das leicht entzündliche Gas macht ein Inferno aus dem Stoff, aus dem Werner Franz’ Luftfahrtträume waren. Plötzlich, kurz vor der Landung in Lakehurst südlich von New York, geht der Zeppelin mit 97 Menschen an Bord in Flammen auf. Die genaue Ursache ist bis heute nicht geklärt. Helium jedenfalls wäre nicht brennbar gewesen – aber das ist in Deutschland zu jener Zeit nicht zu haben, die USA liefert nicht an Hitler und das Deutsche Reich.

Werner Franz gehört zu den 61 Besatzungsmitgliedern der „Hindenburg“, er bedient die Offiziere und Kapitäne, und er spült Geschirr. Da hört er die Explosion, wie er noch in den späten Jahren seines Lebens erzählte. Er spürt einen heftigen Ruck, sieht Feuer, will springen, doch er verliert den Boden unter den Füßen. Wasser aus einem Tank ergießt sich über ihn. Im nächsten Moment, in dem seine Füße wieder fest stehen können, springt er aus dem Luftschiff. Der Junge rennt – und rettet sich.

Das Inferno habe Werner Franz traumatisiert, sagt seine Witwe Annerose Franz (75). Ihr Mann habe nach dem Unglück für die Luftschiff-Reederei Besucher durch eine Zeppelin-Halle geführt. „Mein Mann hat mir erzählt, dass er jedes Mal, wenn starkes Licht in die Halle fiel, erschrak und Panik bekam.“ Still und ernst wurde er sein Leben lang, wenn die Sprache auf den Absturz kam. „Aber er hat ein sehr erfülltes Leben gehabt“, sagt seine Frau, „nach dem Krieg.“

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