Lebenserwartung: Männer holen auf

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Heute geborene Mädchen werden fast fünf Jahre älter als Buben, wie die Grafik zeigt. Grafik: AFP

Babys und ältere Menschen in Deutschland leben immer länger – zumindest statistisch gesehen. Spitzenreiter ist Baden-Württemberg, gefolgt vom Freistaat Bayern. Unterschiede gibt es aber auch zwischen Frauen und Männern.

Bevölkerung

Babys und ältere Menschen in Deutschland leben immer länger – zumindest statistisch gesehen. Spitzenreiter ist Baden-Württemberg, gefolgt vom Freistaat Bayern. Unterschiede gibt es aber auch zwischen Frauen und Männern.

Von Ira Schaible

Wiesbaden – Die Lebenserwartung der Menschen in Deutschland steigt seit den 1980er Jahren stetig. „Die Menschen werden nicht nur älter, sie werden auch gesünder älter“, sagt Franziska Woellert vom Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie, Rupert Püllen, ergänzt: „Wir haben Hinweise, dass 80-Jährige in unserem Kulturkreis heute im Durchschnitt fitter und rüstiger sind als vor 20 Jahren.“ In Bayern ist die Lebenserwartung sogar höher als im Durchschnitt. Nach den Bewohnern Baden-Württembergs haben Bayern die höchste Lebenserwartung, auf Rang drei folgt Berlin. Einige neue Bundesländer liegen unter dem Durchschnitt.

-Wie hoch ist die Lebenserwartung eines Neugeborenen?

Mädchen haben bei der Geburt nach einer Modellrechnung des Statistischen Bundesamts 83 Jahre und einen Monat vor sich. Für neugeborene Buben beträgt die Lebenserwartung 78 Jahre und zwei Monate. Damit haben die Mädchen innerhalb des letzten Jahrzehnts eineinhalb Jahre gewonnen – Buben sogar zweieinviertel Jahre.

-Wie viele Jahre haben 65-Jährige noch vor sich?

Menschen im Rentenalter leben ebenfalls länger als vor zehn Jahren. Ein 65 Jahre alter Mann wird nach den Berechnungen der Statistiker noch seinen 82. Geburtstag feiern. Er kann sich auf weitere 17 Jahre und acht Monate freuen. Das ist ein Jahr und fünf Monate mehr als vor zehn Jahren. Eine gleichaltrige Frau erlebt statistisch gesehen sogar fast ihren 86. Geburtstag – sie hat 21 Jahre vor sich. Das ist im Vergleichszeitraum ein Plus von einem Jahr und zwei Monaten.

-Warum ist die Lebenserwartung von Älteren höher als von Babys?

Die Statistiker beziehen bei der Berechnung der Lebenserwartung die Sterbewahrscheinlichkeiten aller auf ein bestimmtes Alter. Die Wahrscheinlichkeit, überhaupt 65 Jahre alt zu werden, steigt zwar, wie Statistiker Felix zur Nieden erläutert. Sie beträgt aber bei männlichen Babys nur 84 Prozent und bei weiblichen knapp 92 Prozent.

-Wie schneidet Deutschland im internationalen Vergleich ab?

„Die Lebenserwartung steigt weltweit“, sagt Woellert. „Im internationalen Vergleich nimmt Deutschland bei der Lebenserwartung keine Spitzenstellung ein“, stellen die Statistiker fest. In den Nachbarländern Frankreich, Luxemburg, den Niederlanden, der Schweiz und Österreich etwa sei die Lebenserwartung bei beiden Geschlechtern etwas höher. Im Vergleich zu den Durchschnittswerten der Europäischen Union haben Männer in Deutschland eine etwas höhere und Frauen eine leicht niedrigere Lebenserwartung.

-Wieso werden wir immer älter?

„Hauptursache der steigenden Lebenserwartung ist der medizinische Fortschritt“, sagt Püllen. Die Sterblichkeit durch häufige Krankheiten – wie Herzinfarkt, Tumoren und Schlaganfall – nehme ab. Als Gründe nennt er „bessere Behandlung und bessere Prävention“. Woellert ergänzt: „Die Lebenserwartung hat sehr viel mit sozialen Faktoren zu tun.“ In der Regel gelte: „Je besser gebildet, desto gesünder leben die Menschen und desto höher ist ihre Lebenserwartung.“ Arbeitslosigkeit wirke sich besonders bei Männern negativ auf die Lebenserwartung aus, sagt Rembrandt Scholz vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung.

-Warum werden Frauen älter als Männer?

Frauen leben in der Regel gesundheitsbewusster als Männer, sind sich Püllen und Scholz einig. Allerdings haben Männer sowohl im Säuglings- als auch im Rentenalter bei der Lebenserwartung stärker zugelegt. Püllen erklärt das so: „Die Lebensverhältnisse von Männern und Frauen haben sich immer mehr angeglichen. Eine Konsequenz ist, dass sich auch die Lebenserwartung beider Geschlechter angleicht.“

-Wie lange steigt die Lebenserwartung weiter?

Das weiß niemand genau. Die Fachleute sehen keinen Beleg dafür, dass sich der Anstieg der Lebenserwartung abschwächt. Die weltweit zunehmende Adipositas (Fettleibigkeit) und ihre Folgeerkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck wirkten sich aber mittel- bis langfristig deutlich auf die Lebenserwartung aus, sagt Püllen.

-Warum gibt es Unterschiede zwischen den Bundesländern?

Die Lebenserwartung war nach der Wiedervereinigung im Westen noch deutlich höher als im Osten – dieser Unterschied ist stark geschrumpft. „In der ehemaligen DDR lebten die Menschen etwas ungesünder“, sagt Woellert. Das Gesundheitssystem habe sich zudem vor allem auf Menschen im arbeitsfähigen Alter konzentriert. Und heute? „Die Unterschiede in Ost und West bei der Lebenserwartung hängen auch mit den wirtschaftlichem Niveau zusammen“, sagt Püllen. Der Ausländer-Anteil spielt nach Einschätzung von Scholz’ auch eine Rolle: Nur gesunde Menschen wanderten, und kranke Ausländer gingen im Alter häufig in ihre Heimat zurück.

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