Zwischen Groteske und Horror

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BR-Symphonieorchester, Herkulessaal.

Zum aufwühlenden Erlebnis wurde die Begegnung mit Schostakowitschs 13. Symphonie im Herkulessaal. Unter der souveränen, konzentrierten Leitung des kurzfristig eingesprungenen John Axelrod widmeten sich das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, der BR-Männerchor und Bassist Mikhail Petrenko diesem 1962 entstandenen Opus mit großer Hingabe.

Jewgeni Jewtuschenko erinnert im Gedicht „Babij Jar“ an das Massaker der Nazis in der gleichnamigen ukrainischen Schlucht, wo 1941 rund 34 000 Juden getötet wurden. Zugleich mahnt der Dichter vor neuem Antisemitismus. Schostakowitsch inspirierten die Worte zu einem düsteren, anklagenden, zuweilen aggressiven Adagio. Diesem von allen Interpreten nachdrücklich formulierten Bekenntnis folgen vier Sätze, die ebenfalls auf Gedichten Jewtuschenkos basieren. Schostakowitsch gelang es nicht nur, den Horror in dichten Szenen einzufangen, sondern auch „Humor“ und „Karriere“, so die Satztitel, ins groteske Licht zu rücken. Ob im bösen Tänzchen, ob mit Peitschenknall oder keckerndem Holz – das Orchester unterstützte den sehr emotional Petrenko und die oft fast sprechenden, den Solisten bestätigenden Chorherren, sodass eine Szenerie nah am russischen Alltag lebendig wurde.

Barbers breit strömendes Streicher-Adagio und Strawinskys lange verschollener „Grabgesang“ rundeten das Programm. Das von Axelrod präzise gelenkte Ensemble nutzte alle Möglichkeiten, Strawinskys farbreiche Instrumentierung fast theatralisch auszukosten. Großer Beifall. gabriele luster

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