SALZBURGS MOZARTWOCHE VERQUICKT DAS REQUIEM MIT EINER PFERDESHOW

Am Zügel

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Die Académie Équestre National du Domaine de Versailles setzt auch den Tod („Agnus Dei“) effektvoll in Szene. F: Matthias Baus

Von Tobias Hell. Was seine Festspiele angeht, lässt sich Salzburg selten lumpen.

Staraufgebot und Bühnenbombast haben am Fuße des Mönchsberges nicht erst seit Karajans Zeiten Tradition. Klar, dass da auch die Mozartwoche nicht gern zurückstehen will und zuweilen ebenfalls aufs Spektakel zielt. Aber das Konzept scheint aufzugehen. Entpuppte sich das Publikumsinteresse an der szenischen Version des Mozart-Requiems doch als so groß, dass man bereits im Vorfeld eine zusätzliche vierte Vorstellung ansetzen musste. Hauptattraktion waren dabei aber wohl trotz einer hochkarätigen Besetzung mit Genia Kühmeier, Elisabeth Kulman, Charles Dekeyser und dem kurzfristig eingesprungenen Peter Sonn keineswegs die untadeligen Gesangsleistungen, sondern vielmehr die vierbeinigen Stars des Abends. Bereits vor zwei Jahren hatte der französische Theatermacher und Pferdenarr Bartabas in der Felsenreitschule den „Davide penitente“ mit seinen Dressurreiterinnen in Szene gesetzt und dieses Konzept nun mit neuen Pferderassen auf das Requiem übertragen.

Ohne Zweifel, fürs Auge wird da von der Académie Équestre National du Domaine de Versailles so einiges geboten. Angefangen bei der von Mozarts KV 85 untermalten Selbstgeißelung, mit der Choreograf Bartabas selbst hoch auf schwarzem Ross den Abend eröffnet, über den infernalen Galopp mit offen wehenden Haaren zum „Dies irae“ bis hin zu den beim „Agnus Dei“ hereinreitenden Skeletten. Doch da hier naturgemäß keine Handlung erzählt, sondern eher Stimmungslagen visualisiert werden, kommt die ganze Angelegenheit bei aller Virtuosität in der Umsetzung eben dennoch selten über das rein Illustrative hinaus.

Mehr in die Tiefe geht es da schon bei Marc Minkowski, der von ebener Erde aus die in den Arkaden postierten Musiciens du Louvre sowie die Damen und Herren des Salzburger Bachchores dirigiert. Nur für wenige bedeutsame Momente, wie etwa das „Confutatis“ oder beim berührenden „Ave verum corpus“ verlassen einige von ihnen ihren Platz und mischen sich mutig unter die Reiterinnen. Diese Aufstellung ist für die akustische Balance nicht immer von Vorteil. Doch hält auch Minkowski die Zügel stets straff und so seine beiden Klangkörper meist homogen zusammen. Der Franzose setzt auf zügige Tempi, lässt der Musik aber dennoch genügend Zeit zum Atmen und garantiert dadurch, dass der akustische Teil letzten Endes trotz reichlich Futter für die Augen nie zu kurz kommt.

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