Zeig mir, wie du arbeitest

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An den Kammerspielen endete die Reihe „World Wide: Work“. von laura Backes.

Japanische Briefträger beginnen ihren Arbeitstag mit Frühsport. Zwanzig Männer kreisen die Arme und hüpfen zum Takt der Musik auf der Stelle. Anschließend stellen sich alle in einen Kreis, leisten einen Schwur – und die Arbeit kann beginnen. Der Japaner Naoki arbeitet halbtags bei der Post – und leidet darunter, weil er als Briefträger in Teilzeit kein vollwertiges Mitglied der Familie ist. „Deine Arbeit ist deine Familie“ – so will es die Tradition in Japan.

Mit diesem Filmausschnitt aus „Japan: A Story of Love and Hate“ eröffnete das Goethe-Institut gestern seine letzte Veranstaltung der Reihe „World Wide: Work“. Der kurze Beitrag genügte, um zu zeigen, wie unterschiedlich die Arbeitswelten auch in Zeiten der Globalisierung noch aussehen. Seit Januar hat das Goethe-Institut viermal zur Debatte über Arbeit im 21. Jahrhundert in die Münchner Kammerspiele geladen. Es ging um Arbeitsmigration, um die Geschlechterfrage, darum, was menschliche Arbeit ausmacht, und nun um die Frage „Macht Arbeit glücklich?“.

Goethe-Institute in Afrika, Asien, Lateinamerika und Europa luden Intellektuelle wie den Chinesen Wang Hui, den mexikanischen Schriftsteller Jorge Volpi oder den Journalisten Günter Wallraff ein, per Video live miteinander zu diskutieren. Auf der Bühne in München saßen am Sonntag der Schriftsteller Arnon Grünberg und Constanze Kurz, Sprecherin des Chaos-Computer-Clubs. Live zugeschaltet waren die Goethe-Institute Tokyo und Madrid. Per Video gingen die Gäste der Frage nach, wen Arbeit überhaupt glücklich machen sollte. Das Individuum – wie den Künstler, der sich selbst verwirklicht – oder die anderen – wie bei einem Müllmann, der für die Gesellschaft Wichtiges leistet? Antworten gab es wenige, dafür reichten die zwei Stunden nicht. Die Einwürfe der Diskutanten wirkten eher wie Impulse, die Grundhaltungen erkennen ließen.

Dennoch ist „World Wide: Work“ eine äußerst fördernswerte Reihe – aus symbolischen Gründen. In Zeiten, in denen Arbeit längst global verzahnt ist, weil Einzelteile für ein Produkt auf unterschiedlichen Kontinenten gefertigt werden, und weil Unternehmen dorthin ziehen, wo es am billigsten ist, ist ein internationaler Dialog über die Arbeit überfällig. So unterschiedlich der Umgang mit Arbeit ist, sie prägt die meisten Gesellschaften. Die Arbeitskultur einer anderen Gesellschaft verstehen, heißt die Menschen besser verstehen. Ein gelungenes Projekt – zumal am Tag der Europawahl.

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