Auf dem Wonnemond

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Gesanglich und darstellerisch hochmotivierte Solisten sind zu erleben wie Stefan Hahn (Eccliticus, v.li.), Oliver Weidinger (Herr von Gutglauben), Polly Ott (Klärchen) und Thomas Lichtenecker (Graf Ernst Olaf) . foto: Sabina tuscany

PREMIERENKRITIK . von gabriele luster.

Im Münchner Hubertussaal ist die Welt eine Scheibe und ihre Umlaufbahn eine Reling. Daran hängen Decken und ein steif gefrorenes Unterhemd, ein antikes Kleinmöbel, ein Kerzenleuchter und manches mehr. Auf den Bühnen-Brettern, die die Welt bedeuten, stehen ein großes Fernrohr, bei Bedarf auch ein paar Stühle. Nur dies hat Bühnenbildner Peter Engel arrangiert, und es reicht Regisseur Dominik Wilgenbus, um das Publikum in „Die Welt auf dem Mond“, Joseph Haydns 1777 uraufgeführte komische Oper, zu entführen.

Schon vor einigen Jahren hatte sich die Kammeroper München dieser hübschen kleinen Haydn-Oper angenommen – damals in der Pasinger Fabrik. Jetzt auf Schloss Nymphenburg amüsierte sich das mit Prominenz durchsetzte Premierenpublikum bestens. Den Beifall hatten sich die sieben Sänger und das von Dirigent Nabil Shehata mit frischem Schwung geleitete Mini-Orchester auch redlich verdient.

Im bewährten Arrangement von Alexander Kampe, in dem das Akkordeon nicht fehlen darf, mischten fünf Streicher, Gitarre, Flöte, Klarinette und Fagott mit und ließen Haydns schlichten Spielopernton lebendig werden. Wenn es sein musste, wurden die Instrumentalisten sogar als Chor aktiv. So ergab sich, von Wilgenbus’ lockerer Regie unterstützt, ein selbstverständliches Miteinander: auf der Erde, wo die Protagonisten in Wilgenbus’ witzgetränkten Versen dialogisierten, wie auf dem Mond, wo Shehata die Rezitative mit Celesta-Klängen ins Sphärische transportierte. Allerdings wurde auf der Erde ein bisschen viel herumpalavert, die kleinen Arien und Duette gingen im allzu genüsslich ausgekosteten, retardierenden Wort-Geklingel zuweilen unter.

Auf dem vermeintlichen Mond und dann auch nach der Rückkehr von dort kam mehr Zug ins musikalische Geschehen, das Shehata zu temperamentvoll steigerte. Das Septett der jungen, gesanglich wie darstellerisch hochmotivierten Sänger war wie geschaffen für die lustige Goldoni-Geschichte. In deren Mittelpunkt steht der einfältige, mondbegeisterte und von der Damenwelt überforderte Herr von Gutglauben, den Oliver Weidinger mit Kavalierbariton ausstattet. Er wird vom geschäftstüchtigen Astronomen Eccliticus, den Stefan Hahn mit markantem Tenor charakterisierte, mittels Schlaftrunk auf den Trabanten befördert. Dorthin, wo er seine unfolgsamen Töchter züchtigen darf und gar nicht mitbekommt, dass selbige den „Ausflug“ mit ihren Verehrern genießen: das kesse Klärchen der mit Silbersopran auftrumpfenden Polly Ott; die zahmere Helene, von Friederike Mauß mit blitzenden Koloraturen ausstaffiert, im Bann des Grafen Ernst Olaf, dessen schwedischer Akzent vorzüglich mit den hellen Counter-Tönen Thomas Lichteneckers harmoniert.

Auch Magd Liese, der Vanessa Fasoli angenehme Mezzotöne leiht, darf den Ehehafen ansteuern – mit Diener Jakob, an dem Henning Jendritza sein komödiantisches Spieltenor-Talent offensiv demonstrieren kann. Im Handumdrehen wurde das Publikum von diesen sieben Solisten samt kugelrundem Kuscheltier eingewickelt, mit dem sich der geläuterte Herr von Gutglauben zuletzt doch wieder auf den Mond träumte.

Aufführungen

bis 17. September;

Telefon 089/ 452 05 61 21.

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