Die wollen nur spielen

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Brian May singt mit dem Publikum. Foto: Martin Hangen

Queen ohne Freddie Mercury, aber mit Adam Lambert in der Münchner Olympiahalle. Von Katja Kraft.

Sich schon beim ersten Song auf den Boden zu schmeißen, das ist, nun ja, gewagt. Adam Lambert tut es. Er ist Showman durch und durch. Authentisch ist das anfangs aber nicht. Es verdient Anerkennung, dass sich dieser junge Kerl, gerade 33, mit Musik-Legenden wie Brian May und Roger Taylor auf Welt-Tournee wagt. Und dann auch noch in diese Stadt, München, die für Freddie so wichtig war. Am Montagabend in der ausverkauften Olympiahalle darf Lambert Mercurys Rolle übernehmen – das macht er dann allzu sehr. Das ist weniger Konzert als ganz viel Show. Aber eine gute.

Natürlich wird es Queen nie wieder geben. Nicht ohne Freddie. May und Taylor haben nicht versucht, ihn zu ersetzen. Diese begnadeten Musiker wollen nur spielen. Und das tun sie irrsinnig gut. Stets umtänzelt von Lambert. Dieser US-amerikanische Castingshow-Teilnehmer, optisch nah dran an Tokio-Hotel-Sänger Bill Kaulitz, ist sehr glatt. Seine Bewegungen sind durchchoreografiert, nichts wirkt spontan. Am Anfang scheint er unheimlich nervös. Doch wer könnte es ihm verübeln? Ihm gegenüber 12 000 Münchner, die vor allem eines sind – skeptisch. Was kann dieser Ami wirklich? Er kann vor allem Showeinlagen, anheizen und kommt dabei sympathisch  ’rüber, denn er imitiert Mercury gesanglich nicht. Er gibt Klassikern wie „Somebody To Love“ oder „Killer Queen“ seine eigene Note. Das muss er auch. Denn an Mercurys Tonumfang kommt er nicht heran. Bewegend wird es, wenn May und Taylor das Mikro übernehmen. May allein mit der Gitarre, „Love Of My Life“ mit dem Publikum singend. Dann ist er plötzlich wieder da: Mercury, auf der Leinwand, eine Live-Aufnahme aus vergangenen Zeiten. Das ist nicht kitschig, sondern eine ehrliche Hommage an den verstorbenen Freund.

Danach wird auch Lambert lockerer; sichtlich genießen er, May, Taylor, dessen Sohn Rufus am zweiten Schlagzeug, Bassist Neil Fairclough und Keyboarder Spike Edney ihre eigene Tribute-Show. Wirklich magisch ist schließlich Taylors Performance von „A Kind Of Magic“ – stimmgewaltig wie eh und je. Für die Zugaben darf sich Lambert eine Krone aufsetzen. Sie ist nur eine Attrappe. Die echte Queen, die gibt’s nicht mehr. Dieser Abend war eine gelungene Huldigung.

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