KONZERTKRITIKEN

Wohlige Schauer

Symphoniacs, Münchner Philharmonie. Geht das?

Vivaldi mit Clubsound zum Tanzen? Klassische Klänge auf konventionellen Instrumenten mit Drum-Computer und Klangwolken aus dem Synthesizer? Auch wenn man darüber diskutieren wollte, ist es in Wahrheit müßig, denn dem Publikum in der gut gefüllten Münchner Philharmonie bereitet diese eigenwillige Melange der Symphoniacs keinen Anlass zum Grübeln. Es gibt Jubel. Lautstark werden die acht Herren auf der Bühne gefeiert. Daft Punk und Klassik, das funktioniert. Es ist ein süffiger Eintopf, der da angerührt wird, und man schluckt ihn, weil Könner auf der Bühne stehen.

Die Truppe beherrscht ihr Geschäft, die jungen Wilden spielen selbstbewusst und mit Verve. Es geht nicht um subtile Zwischentöne, das Ziel ist der Effekt, es geht immer auf die Zwölf. Das ist nicht verwerflich, und die Virtuosen geben dem Affen gerne Zucker. Denn auch das muss man erst mal können. Wenn der Computer, die Drum-Machine und der Synthesizer Pause haben, überzeugen die Musiker dennoch. Das ist keine geringe Leistung. Es sind die musikalisch fesselndsten Augenblicke, wenn etwa der Pianist Evgeny Genchev alleine am Flügel brilliert oder die beiden Cellisten das Kommando übernehmen. Es ist letztlich immer das klassische Idiom, das für die wohligen Schauer sorgt; das elektronische  Brimborium drum herum ist gefällige Sauce, aber eben nicht das Entscheidende. Es hat etwas, dieses flamboyante Experiment zwischen Klassik und Elektro-Dance. Mal sehen, was daraus wird. Zoran Gojic

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