„Wir wollen jede Meinung unterbringen“

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Kabarettist, Musiker und Moderator Hannes Ringlstetter über die neue ARD-Satiresendung „Dritter Stock links“. Politkabarett trifft auf Comedy, Leidenschaft auf Phlegma, Analyse auf Emotion – so wirbt die ARD für das neue Satireformat „Dritter Stock links – Die Kabarett-WG“, die heute um 22.

45 Uhr Premiere hat. Schauplatz der Sitcom ist eine Wohnung im Berliner Szeneviertel Prenzlauer Berg. Dort leben Jungpolitikerin Maike (Maike Kühl, 38), ihr Freund, der Comedian Sebastian (Sebastian Pufpaff, 38) und ihr Bruder Hannes (Hannes Ringlstetter, 44), seines Zeichens Rockmusiker. Konflikte sind da programmiert.

-Die neue Reihe wird angekündigt als „kabarettistische Sitcom“. Was reizt Sie an diesem Format?

Ich finde, die Sitcom ist ein Format, das meiner Talentlage gut entspricht: Du kannst improvisieren, du kannst schauspielern, du kannst auch mal ein Lied spielen, du kannst es in einem festen Bühnenbild machen. Es ist amerikanisch, es ist schnell, und es hat nicht diese Statik bayerischer Sketche.

-Haben Sie auch privat WG-Erfahrung?

Ja, ich habe zehn Jahre lang in WGs gewohnt. Einmal fast sechs Jahre zu sechst in einem Haus mit Garten in Regensburg. Während meines Studiums. Das war wahrscheinlich die beste Zeit in meinem Leben. Sechs Männer. Wir haben uns super vertragen, das Problem war nur, dass jeden Tag ein anderer eine Party gemacht hat – aber das hab’ ich weggesteckt. (Lacht).

-Wenn Sie mit zwei Politikern in einer WG leben müssten – wen würden Sie wählen?

Dann würde ich mit der indischen Nobelpreisträgerin Vandana Shiva (Frauenrechtlerin und Umweltschutzaktivistin, Red.) zusammen wohnen, mit der würde ich mich gern unterhalten. Und auf der anderen Seite hätte ich gern einen texanischen Republikaner, der die Welt völlig einfach sieht. Dass man da einerseits jemanden sitzen hat, der total spirituell, intelligent und einfühlsam ist, und daneben so einen Brocken, der irgendwie immer nur sagt: „Gibt’s was zu essen?“ – das fänd’ ich cool.

-Ist das auch die Stärke der „Kabarett-WG“ – die Gegensätze zwischen den Charakteren?

Ja, je unterschiedlicher die Typen, umso lustiger ist es, wenn sie sich verbrüdern. Und umso schärfer wird es, wenn sie sich abstoßen. Das ist in „Dritter Stock links“ sehr gut gelungen durch diese Dreierkonstellation. Es ist doch so: Kabarettist und Politiker, Establishment und Rock ’n’ Roll – weiter auseinander geht’s nicht. Diese Spannungsbögen sind alle da. Insofern ist viel Platz da, sich Geschichten auszudenken.

-Unter anderem singen Sie verkleidet als Ausländer einen Pro-Pegida-Song. Haben Sie Angst vor bösen Reaktionen?

Nein. Die Leute machen eh, was sie wollen. Wir versuchen, in der Show jede Meinung unterzubringen. Es geht uns nicht um links, rechts, oben, unten, Pegida, No-Pegida, sondern um die Abbildung eines gesellschaftlichen Diskurses. Der findet mir zu wenig statt. Es wird viel zu viel in Talkshows gelabert, aber es gibt keinen Diskurs. In dieser Fernsehfamilie leben wir den Diskurs. Denkanstöße zu geben – das ist Satire!

-Nach „Charlie Hebdo“ sagen jetzt viele, dass Satire alles dürfe.

Man sagt’s zwar, aber das stimmt ja nicht. Jetzt finden plötzlich alle Mohammed-Karikaturen in Ordnung, das war vor den Attentaten von Paris nebenbei gesagt nicht so. Jetzt zeigt sich Pegida-Gründer Lutz Bachmann mit Hitlerbärtchen – und ich sage in der Folge: Vielleicht war das ja auch Satire – wieso darf denn der das jetzt nicht? Also geht’s schon wieder los. Die, die laut gebrüllt haben: „Satire darf alles!“, sind die ersten, die den kritisieren. Also vermute ich da einen Betroffenheitsreflex, wie wir Deutschen ihn so gerne haben. Ich glaube nicht, dass das die Frage ist, um die es bei Satire gehen soll.

-Und worum sollte es gehen?

Um die Frage, ob die Satire gut oder schlecht ist.

-Und wer bewertet das?

Der, der lacht. Das ist das große Geschenk unseres Berufs: Du kannst nicht nicht lachen, wenn du lachen musst. Und du kannst nicht lachen, wenn du nicht lachen musst. Also entscheidet immer der, der lacht. So einfach ist es. Eigentlich.

Das Gespräch führte Katja Kraft.

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