„Wir werden nicht mehr vom Hof gejagt“

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Interview Rosenheim: Der Regisseur und Landwirt Martin Schönacher über „The Pride“, ein Stück über Homosexualität

Martin Schönacher (39) wohnt in Aufham in Oberbayern. Neben seinem Hauptberuf als Landwirt arbeitet er als Schauspieler, Improtheaterspieler, Regisseur und Mediator. Mit seinem langjährigen Freund lebt er mittlerweile in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Das Drama „The Pride“ von Alexi Kaye Campbell, das Schönacher jetzt inszeniert und das am Samstag im Rosenheimer TAM-Ost Premiere hat, behandelt Homosexualität in den Jahren 1958 und 2008.

-Sie sind Theatermacher, arbeiten gleichzeitig als Landwirt. Wie passt das zusammen?

Ich habe den Hof mit 20 übernommen, da mein Vater krank wurde. Das ging etliche Jahre gut. Doch dann kam der Moment, wo ich merkte, ich will auch noch was anderes in meinem Leben. Fürs Theater hatte ich schon immer eine Vorliebe. Da macht man etwas in einer Gruppe. Das ist ein Ausgleich zum alleinigen Arbeiten auf dem Hof.

-Nun inszenieren Sie in Rosenheim ein Stück über Homosexualität. „The Pride“ wurde in London uraufgeführt. Das Publikum in Bayern wird sicher anders drauf reagieren.

Jein. Man traut den Menschen oft zu wenig zu. Es gibt sicherlich Momente im Stück, wo man sich nicht ganz wohl in seiner Haut fühlt. Ich glaub’ aber, auch in Rosenheim gibt es Leute, die Denkanstöße wollen und nicht nur leichte Unterhaltung.

-Was macht für Sie den Reiz des Stücks aus?

Aufhänger ist natürlich die Homosexualität. Aber es geht grundsätzlich darum, dass ein Mensch mit der Art, wie er ist, etwa als Schwuler, aber auch als Ausländer, Behinderter, nicht in der Mitte der Gesellschaft steht. Diese schiebt ihn an den Rand. Das Stück zeigt, was das mit der einzelnen Person machen kann.

-Einige Ihrer Darsteller sind keine Schwulen. Wie haben Sie ihnen Verständnis für deren Leben und Probleme beigebracht?

Ich habe sie vorher gefragt, ob sie bereit sind, eine Kussszene mit einem Mann zu haben. Das haben sie bejaht und später festgestellt, dass es in erster Linie darum geht, eine Liebesgeschichte zu spielen, und es im Grunde egal ist, ob ich die Liebe zu einem Mann oder zu einer Frau darstelle. Mein Umgang mit der Thematik war zudem immer offen. Ich habe viele Fragen der Schauspieler zum alltäglichen Leben als Schwuler beantwortet.

-Wie lebt es sich als Homosexueller auf dem Land?

Es ist schon ein Unterschied zur Stadt. Natürlich ist es in Rosenheim nicht mehr so, dass der Schwule mit der Mistgabel vom Hof gejagt wird. Aber in der Normalität ist man noch nicht angelangt. Für die Menschen ist es noch eine Überraschung, wenn man sich outet. Es ist noch ein kleiner Skandal, wenn zwei Männer händchenhaltend durch Rosenheim gehen. In Berlin würde sich keiner umdrehen. Aber hier gibt es für Leute, die sich outen wollen, immer noch eine größere Hemmschwelle.

-Wie ergeht es Ihnen selbst?

Ich lebe seit sehr vielen Jahren geoutet auf einem Hof bei Rosenheim. Ich lebe relativ offen mit meinem Partner, ich lebe aber auch relativ selbstsicher. Die meisten Menschen nehmen das hin. Interessant wird es, wenn es mal eine größere Feier gibt, etwa meine Hochzeit mit meinem Partner. Da habe ich festgestellt, dass Menschen, die ich einlud, dennoch nicht kamen, weil sie nicht in einem Raum sein konnten, in dem sich zwei Männer küssten. Für die ist das ein Angriff auf die Ehe.

-In den Städten können Schwule und Lesben heute freier als früher agieren. Könnte diese gesellschaftliche Liberalität irgendwann wieder in Hass und Diskriminierung umschlagen?

Das kann ich nicht beurteilen. Aber man kriegt ja allgemein mit, dass die Jugend heute wieder an konservativen Werten festhält. Das könnte sich unter Umständen auch in ihrer Toleranz gegenüber Schwulen äußern. Man kann nicht davon ausgehen, dass die Jugend immer fortschrittlicher, weltoffener und toleranter ist als die Menschen ein paar Jahre zuvor.

Das Gespräch führte Katrin Hildebrand.

Vorstellungen

am 9., 15., 16., 22.-24., 29., 30. November sowie 6., 7. 12. im TAM-Ost Rosenheim, Chiemseestraße 31; Karten unter 08031/ 23 41 80.

Zurück zur Übersicht: Kultur & TV

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare