CHRISTIAN ULMEN ÜBER DIE IMPROVISATIONSCOMEDY „JERKS“, LACHEN ALS LEBENSHILFE UND SEINE FREUNDSCHAFT MIT FAHRI YARDIM

„Wir scheitern stellvertretend“

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Sie sind notorische Notlügner und lassen kein Fettnäpfchen aus – auch in der zweiten Staffel der improvisierten Comedyserie „Jerks“ stolpern Christian Ulmen und Fahri Yardim von einer Peinlichkeit in die nächste.

Der Streamingdienst Maxdome stellt ab diesem Donnerstag alle zehn Folgen online. Wenig später legt dann Pro Sieben nach. Dort ist die zweite „Jerks“-Staffel ab 8. Mai im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen. Privat kennen sich die beiden Schauspieler schon seit Kindertagen und verstehen sich blind. Deshalb hatte Christian Ulmen auch kein Problem damit, für seinen Kumpel Fahri zu antworten, der unser Doppelinterview wegen Grippe kurzfristig absagen musste. Ein etwas anderes Gespräch.

-Angenommen, jemand hat die erste Staffel von „Jerks“ verpasst. Wie würden Sie das Format beschreiben?

Christian Ulmen: Es gibt keine Worte, die „Jerks“ treffend beschreiben. Das ist, als wolltest du jemandem Achterbahnfahrten erklären – was soll man da sagen? Das zieht im Bauch, ein bisschen wie Blinddarm, nur schön? Auch „Jerks“ muss man erfahren.

(Als Fahri Yardim): Mir fällt da natürlich schon was ein: „Jerks“ ist eine Serie, die sehr ehrlich und authentisch mit alltäglichen Beobachtungen und zwischenmenschlichen Gefühlen umgeht.

-Sie spielen sich selbst in fiktiven, sehr peinlichen Situationen. Was davon ist improvisiert?

Ulmen: Es gibt keine geschriebenen Dialoge, sondern nur Handlungsstränge. Jeder Schauspieler ist für den Text seiner Figur selbst verantwortlich, weiß aber genau, wo die Handlung hinlaufen soll.

-Wie kriegt man das hin, ohne dass es künstlich wirkt?

Ulmen: Mit Schauspielern, die Spaß an der Improvisation haben und beim Spielen loslassen können. Die Kunst ist, nicht darüber nachzudenken, was deine Figur wohl sagen würde – sondern es einfach rauszuhauen.

-„Jerks“ basiert auf einer starken Männerfreundschaft. Würden Sie sich gegenseitig anrufen, wenn Sie in der Klemme stecken?

Ulmen: Kommt drauf an, wie fest diese Klemme mich umschlossen hält. Ich telefoniere grundsätzlich nicht gern, aber wenn’s hart auf hart käme und alle anderen nicht drangehen, würde ich auch Fahri anrufen.

(Als Fahri): Also ich rufe Christian sofort an, wenn’s mir nicht gut geht. Einfach weil man sich unheimlich gut bei ihm ausweinen kann. Und ich weine oft – das klingt dann furchtbar, so als würde eine Kröte das Zeitliche segnen. Aber Christian erträgt das mit erstaunlicher Gelassenheit.

-Sie kennen sich seit Kindertagen. Ihre erste Begegnung?

Ulmen: Das war in Hamburg. Da hab ich den kleinen Fahri – er ist ja ein paar Jahre jünger als ich – im Pandaclub, der Jugendorganisation des WWF (der Natur- und Umweltschutzverband World Wildlife Fund, Red.) getroffen, wo wir Vogelhäuser gebaut haben.

(Als Fahri): Ich war sehr beeindruckt von diesem Jungen, der so wahnsinnig toll basteln konnte. Seine Vogelhäuser sahen aus wie Schwarzwälder Kuckucksuhren und meine eher wie Plattenbauten in Berlin-Marzahn.

-Sie haben mal gesagt, dass Sie sich an ihn ranschmeißen würden, wenn er kein Mann wäre. Was macht Christian Ulmen so attraktiv?

(Als Fahri): Er ist einfach wahnsinnig gut aussehend. Versteckt das aber geschickt. Ein anziehender Typ.

-Wie nah sind die Reaktionen, die Sie in der Serie zeigen, an den eigenen Empfindungen dran?

Ulmen: Sehr nah. Wir haben viele Situationen verarbeitet, die wir auch schon privat erlebt haben. Trotzdem ist es eine Mischung aus Wunschdenken, wie wir uns gern verhalten hätten, und der Erkenntnis, wie wir tatsächlich reagieren.

-„Jerks“ wirkt bisweilen so spaßig wie ein Kindergeburtstag. Geht’s beim Drehen wirklich so lustig zu?

Ulmen: Ich arbeite ja schon lange als Schauspieler. Als ich in „Jerks“ erstmals Regie führen durfte, war mein Ziel, alles wegzulassen, was mich beim Drehen immer genervt hat – Proben, Besprechungen, ewiges Einleuchten und Textlernen. Insofern machen die Dreharbeiten für „Jerks“ unendlichen Spaß.

(Als Fahri): Ich hab selten so viel Spaß bei der Arbeit gehabt wie bei „Jerks“. Was aber auch daran liegt, dass Christian so ein großartiger Regisseur ist, der einem Schauspieler erlaubt, sich frei zu entfalten.

-Keiner will im Leben scheitern, in der Serie aber kann man darüber lachen. Wieso?

Ulmen: Wir lachen, damit es nicht so sehr weh tut. Manchmal hilft einem das Lachen, Elend besser zu ertragen. Ich glaube sogar, dazu ist Lachen da. Wir scheitern in „Jerks“ stellvertretend für alle anderen, und im gemeinsamen Lachen darüber empfinden wir Trost.

(Als Fahri): Es gibt ja auch das Phänomen, dass Leute auf Beerdigungen lachen müssen. „Jerks“ ist im Grunde wie Lachen auf der Beerdigung.

-Sie sind beide „Tatort“-Kommissare. Wer ist der bessere Ermittler?

(Als Fahri): Natürlich Christian. Das gebe ich ganz unumwunden zu. Ich brauche hier und da noch ein bisschen Übung. Bin oft noch zu nassforsch und zu polternd, während Christian entspannt, sachlich und behutsam agiert.

Das Gespräch führte Astrid Kistner.

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