„Wir danken Euch für all die Jahre“

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„Wetten, dass. ..?“ .

Die letzte Ausgabe des Showklassikers in Nürnberg stand vor allem im Zeichen des Rückblicks

Von Rudolf Ogiermann

Wäre dies eine ganz normale Ausgabe gewesen, wohl niemand beim ZDF hätte angesichts der Zuschauerzahl daran gedacht, Schluss zu machen, auch nicht nach 33 Jahren. Krise? Welche Krise? Immerhin 9,27 Millionen Menschen sahen „Wetten dass...?“ aus Nürnberg, so viele wie seit zwei Jahren nicht mehr. Doch natürlich, keine Frage, hat die Show nur deshalb noch einmal eine solche Quote erzielt, weil es die letzte war. Beim Abschied von einem Format, das Fernsehgeschichte schrieb, wollte sich Deutschland am Samstagabend dann doch noch einmal vor dem vielzitierten „Lagerfeuer“ versammeln.

Es sollte aussehen und ablaufen wie eine ganz normale Folge, mit Wetten, Promis und Musik, und doch prägte der Blick zurück den Abend und auch die Gespräche, ein paar Mal zu oft wollte Markus Lanz von seinen (Stamm-)Gästen wissen, welche Erinnerungen sie an die Show haben. Zum Glück saßen auch Vertreter einer Spezies auf der Couch, die sich nicht auf die Beantwortung von Fragen beschränken und danach erstarren, sondern selbst die Initiative ergreifen. Vor allem Otto Waalkes und Michael „Bully“ Herbig schafften Momente, die den kollektiven „Ach-weißt-Du noch?“-Seufzer für Momente verstummen ließen. Sie rockten die Halle, durch ihre „I Did It My Way“-Umdichtung, aber auch durch ihre aktive Teilnahme am (Wett-)Geschehen.

Das solle „keine Beerdigung werden“, hatte der Moderator vorher als Devise ausgegeben, entsprechend unpathetisch führte er durch die Sendung, nicht gerade superentspannt, aber auch nicht verkrampft. Echte Brüller sind nicht Lanz’ Metier, dafür zeigte der Zelebrator des Finales, dass er Herr der Lage ist – den Gipfel der Souveränität hatte er bei der Kinderwette erreicht. Mehr solche Situationen in der Vergangenheit, und die Kritik an ihm wäre vermutlich nicht ganz so laut und schrill ausgefallen.

Mehr als Geplauder und Geplänkel war beim Gespräch mit Samuel Koch gefragt, bei dessen Auftritt das Nürnberger Publikum minutenlang stehend applaudierte. Lanz gelang die heikle Gratwanderung, nicht zuletzt, weil Koch mit schwarzem Humor auf eigene Kosten („Ich wollte mich vernünftig verabschieden, beim letzten Mal musste ich früher gehen...“) der Situation die Schwere nahm. Unfälle wie den von Samuel Koch hatte Showerfinder Frank Elstner damals sicher nicht auf dem Zettel stehen. Dass sich das ZDF und der letzte „Wetten, dass...?“-Moderator auch diesem Teil der Geschichte, verdient Respekt.

Die besten Wetten, die größten Aufreger, die berühmtesten Musiker, die Moderatoren – drei Jahrzehnte geben eine Menge Stoff her für kollektive Erinnerungen. So schwelgte man in Rückblicken und ließ dabei Momente vergessen, in der – nicht erst bei Lanz – auf der Couch die Spannung auch einmal stark nachließ. Einen Hollywoodstar zu fragen, welche deutsche Wörter und Sätze er kenne – ein Déjà-vu, das auch am Samstag den Zuschauern nicht erspart blieb.

Die Show ist Geschichte, verrückte Ideen scheint es weiter unendlich viele zu geben. Als die Cheerleader auf verrückte Weise Wäsche aufhängten, der junge Jakob Vöckler aus München die Fassade eines Parkhauses erklomm und Thomas Egold aus Königsdorf (Landkreis Bad-Tölz-Wolfratshausen) blitzschnell Buchstaben zählte, hielten 9,27 Millionen Menschen deutschlandweit den Atem an – wie immer, wenn „Weten, dass...?“ lief.

Am Ende waren Bernd Heinrich Graf die letzten (gesungenen) Worte vorbehalten. „Es ist Zeit zu gehen“, heißt es da, und: „Wir danken Euch für all die Jahre.“ Vermutlich kein Text, der für diesen Anlass geschrieben wurde. Und dennoch Sätze, in denen man sich wiederfinden kann. Auf Senderseite – und auf seiten der Zuschauer.

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