AM SONNTAG IST JOACHIM H. LUGER LETZTMALS ALS VATER BEIMER IN DER „LINDENSTRAßE“ ZU SEHEN – EIN GESPRÄCH ÜBER 33 BEWEGTE FERNSEHJAHRE

„Wenn man raus ist, ist man raus – und das ist gut so“

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Ein Mann und seine zwei Lebensfrauen: Hans Beimer (Joachim H. Luger), eingerahmt von seiner Anna (Irene Fischer, li.) und Ex-Frau Helga (Marie-Luise Marjan). WDR

Als Hans Beimer zählte er 33 Jahre zu den wichtigsten Figuren der „Lindenstraße“, doch damit ist jetzt Schluss.

Joachim H. Luger steigt auf eigenen Wunsch aus der ARD-Familienserie aus, in der er seit 1985 eine der Hauptrollen spielte. An diesem Sonntag ist der 74-Jährige zum letzten Mal in der Reihe zu sehen, sein Hans Beimer stirbt in der an diesem Tag ausgestrahlten Episode „Die Ruhe nach dem Sturm“. Die ARD sendet sie um 18.50 Uhr.

-Herr Luger, warum hören Sie auf?

Ich bin ja schon zehn Jahre über mein Rentenalter hinaus, und irgendwann wuchs das Gefühl in mir, dass ich mich mal in andere Gefilde begeben sollte.

-Hat Sie die Rolle als Hans Beimer gelangweilt?

Gelangweilt – nein. Schauspielerisch gab es immer Herausforderungen, aber was meine Rolle betrifft, glaube ich, dass fast alles erzählt war. Irgendwann wiederholen sich die Dinge dann auch mal im Lauf der Jahre.

-Was wollen Sie künftig machen?

Mehr Theater spielen, das habe ich schon in den vergangenen Jahren verstärkt getan – vor allem Boulevardtheater, weil es so ein schöner Kontrast zur Rolle des Hans Beimer war, die ja häufig sehr problembelastet war. Es macht mir Spaß, den Leuten zu zeigen, dass ich auch komische Rollen spielen kann.

-Haben Sie auch im Fernsehen noch was vor?

Warum nicht? Wobei ich vermutlich nicht mit Angeboten überschüttet werden dürfte, wenn man, wie ich, so lange eine Serienfigur gespielt hat.

-Hat Ihnen das andere Rollen in der Vergangenheit vermasselt?

Schwer zu sagen, aber in Deutschland ist es schon so, dass man mit einer bestimmten Rolle auch in einer bestimmten Schublade steckt. Klar, es wäre sowieso nicht gegangen, neben der „Lindenstraße“ eine andere Serienfigur zu spielen. In den frühen Neunzigern habe ich noch einige Episodenfiguren in anderen Produktionen gespielt, sogar eine größere Rolle in einem „Tatort“ mit Manfred Krug. Aber solche Angebote blieben später aus.

-Gab es viele Reaktionen von Fans, nachdem der Tod von Hans Beimer angekündigt wurde?

Unglaublich viele. Ich war total überrascht und gerührt, dass so viele Zuschauer traurig darüber sind, dass die Figur stirbt.

-Was hat „Lindenstraße“-Erfinder Hans W. Geißendörfer gesagt?

Hans und seine Tochter Hana, die die Produktion weiterführt, haben es sehr bedauert, dass ich aufhöre. Andererseits hat mir Hans Respekt gezollt für meinen Mut. Er hatte Verständnis dafür, dass man auch im fortgeschrittenen Alter etwas Neues wagt – in dieser Beziehung ticken wir ähnlich.

-Gehört Mut zu der Entscheidung?

In gewisser Weise schon, denn das, was jetzt kommt, ist ja auch ein völlig unbekanntes Terrain für mich, ich habe die Rolle schließlich 33 Jahre lang gespielt. Wer weiß, vielleicht passiert künftig ja gar nichts, und ich sitze dann rum und ärgere mich, dass die Rolle weg ist. Aber ich fühle mich noch ganz fit und traue mir noch so einiges zu, deshalb bin ich überzeugt, dass ich mich nicht langweilen werde.

-Werden Sie ab und zu noch am Set auftauchen?

Nee, eher nicht. Wenn man raus ist, ist man raus – und das ist auch gut so.

Das Gespräch führte Martin Weber.

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