MÜNCHENS PHILHARMONIKER VERABSCHIEDEN 2017 MIT BEETHOVEN

Wenig Funken

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Krzysztof Urbánski Foto: Caroline Doutre

von markus thiel. Was noch fehlt, ist eine Untersuchung.

Darüber, wie sich der typische Münchner Philharmoniker so fühlt um den 30./31.12. herum: wie Freddy Frinton (oder Miss Sophie) beim „Dinner for one“? Wie jemand, der das staubige Fondue-Set fürs kalorienreiche Gelage aus dem Keller holt? Oder doch wie einer, der über die zerplatzende Silvesterrakete staunt – obwohl doch längst klar ist, was passiert, wenn die Lunte Feuer fängt. Letzteres wäre zu wünschen bei Beethovens Neunter, stellt sich aber nach jahrzehntelanger Praxis wohl eher selten ein.

Immerhin: Es gibt Dirigenten wie in der aktuellen Serie, die wegwollen von der Normalo-Interpretation. Krzysztof Urbánski, 35, Chef in Trondheim plus Indianapolis und gern auch von Edel-Ensembles als Gast gebucht, hält wenig von der Kolossalarbeit. Trotz großer Besetzung liegt ihm in der Münchner Philharmonie an anderem: an überraschend zügigen Tempi, an sehnigen Phrasierungsbögen, überhaupt an einer unprätentiösen Deutung, die im duftig-schlichten Adagio ihre klanglich besten Momente hat. Ein Sich-Verlieren oder effektvolles Verbremsen gibt es mit Urbánski kaum, nicht einmal in den letzten Sekunden, wenn Beethoven seine Götterfunken-Beschwörung samt elysischer Tochter in die Apotheose treibt.

Furchtbar viel Probenzeit scheint die jährliche Neunte nicht zu kosten. Zumindest am ersten Abend rastete der Kopfsatz nicht immer ein – die zügige Gangart des Gastes war wohl ungewohnt. Ähnliches im zweiten Satz mit seinen verwischten Themeneinsätzen und die Strauchelmomente am Beginn des Finales. Verwunderlich, das Stück müsste bekannt sein. Dafür gab’s einen prachtvoll disponierten Philharmonischen Chor und Verschwenderisches auf den Solistenpositionen mit Simona Sáturová (Sopran), Katharina Matiera (Alt), einem unforciert zupackenden Maximilian Schmitt (Tenor), vor allem mit Georg Zeppenfeld (Bass), der vorführte: Ja, sogar die Neunte lässt sich so gestalten, als erlebte man sie zum ersten Mal.

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