Waschbrettbäuche statt Schmollmünder?

Castingshows . Bei „Austria’s Next Topmodel“ konnten sich nun auch Männer bewerben – Pro Sieben sucht vorerst weiter nur Mädchen.

Von Julia Wäschenbach

Wer sich den „Topmodel“-Traum in einer Castingshow erfüllen wollte, musste in Europa bis jetzt drei Eigenschaften haben, nämlich jung, schön – und weiblich. Nun setzt das österreichische Fernsehen der Diskriminierung ein Ende. Bei „Austria’s Next Topmodel“ flanieren künftig auch Burschen über den Laufsteg. Unter dem Motto „Der schönste Kampf der Geschlechter“ wetteifern neun junge Frauen und neun junge Männer um den begehrten Modelvertrag.

„America’s Next Topmodel“ machte es vor, Pro-Sieben-Sat.1-Tochter Puls 4 macht es nach. „Wir haben in Österreich ein großes Potenzial an jungen männlichen Modeltalenten festgestellt und wollten daher die Sendung auch für sie öffnen“, erläutert Programmdirektor Oliver Svec. Außerdem sehnten sich seit Jahren die Zuschauer(innen) danach, „auch Burschen in der Sendung zu haben und diese auf dem Weg zur Modelkarriere zu begleiten“.

Bei der zwölften Staffel von „Austria’s Next Topmodel“ mit Moderatorin Melanie Scheriau können Fans auch erstmals online über Schmollmünder und Waschbrettbäuche mit abstimmen. In den USA hatten die hübschen Kerle der Show neues Leben eingehaucht. Feiert Model-Mutti Heidi Klum bei „Germany’s Next Topmodel“ ihre Pyjamapartys also demnächst auch mit jungen Männern? Pro Sieben hält sich bislang zurück, für die neue Staffel werden nur Frauen gecastet. Genügend Männer hätte Deutschland zu bieten – Models wie Johannes Huebl sind international gefragt.

Ein Stück weit fortgeschritten ist die Gleichberechtigung der Geschlechter im Showbiz hierzulande schon. Bei RTL begibt sich ab nächster Woche zum zweiten Mal eine Bachelorette auf die Suche nach ihrem Traummann – nachdem das zuvor dem Bachelor vorbehalten war.

Mit dem Aufruf an männliche Möchtegern-Models scheint das österreichische Fernsehen zumindest in ein Wespennest gestochen zu haben. Unter den 5000 Bewerbern waren fast gleichviele Buben wie Mädchen, genaue Zahlen verrät der Sender nicht. „Selbst für uns war es sehr erstaunlich, dass die Bewerbungen nahezu ausgeglichen waren“, sagt Puls-4-Programmchef Svec.

Modeexperte Bernhard Roetzel hält es dagegen für den „Gipfel der Überflüssigkeit“, jetzt im Fernsehen auch Männer über den Laufsteg zu jagen. „Es setzt nur noch mehr jungen Leuten die Flause in den Kopf, Model werden zu müssen“, meint er. Dass junge Männer sich dafür interessieren könnten, „ohne sich der Lächerlichkeit preiszugeben“, sei zwar Trend. An der Realität in der Modebranche ändere die Show aber nichts: „Das ist nur eine weitere mediale Sau, die durchs Dorf gejagt wird.“

Ob die Waschbrettbäuche beim Publikum ankommen und sich beim Live-Finale am 4. Dezember erstmals ein Mann „Austria’s Next Topmodel“ nennen darf, ist ungewiss. Denn nicht nur ist der männliche Modelnachwuchs besonders fachmännischen Blicken ausgesetzt – Juroren der Show sind die Profis Michael Urban und Papis Loveday. Als bei der amerikanischen Show „Guys & Girls“ im vergangenen Jahr zum ersten Mal Männer mit von der Partie waren, fiel die Wahl am Ende dann doch auf eine Frau.

Kommentare