„FLIEGENDER HOLLÄNDER“ IM MÜNCHNER GASTEIG

Der Warmläufer

von tobias hell. Es war „einer dieser Tage“, um es mit den Worten von Intendant Paul Müller zu sagen.

Und man mag sich kaum vorstellen, wie die Telefone geglüht haben müssen, als den Münchner Philharmonikern knapp 24 Stunden vor ihrer konzertanten Aufführung des „Fliegenden Holländers“ sowohl Bryn Terfel als auch Günther Groissböck krankheitsbedingt abhandenkamen. Umso glücklicher konnte man sich schätzen, in der Titelrolle John Lundgren aufzubieten, der sich damit schon mal für seine angekündigten Bayreuth-Auftritte in eben dieser Partie warmsingen durfte.

Der Schwede konnte bereits im Auftrittsmonolog, den er als Wechselbad der Gefühle intensiv gestaltete, die inneren Qualen seiner Figur greifbar machen. Wobei sich später beim großen Duett des zweiten Aufzugs nach oben hin auch Grenzen seines dunkel grundierten Baritons offenbarten, die dank eines markanten Auftritts im Finale jedoch schnell wieder vergessen waren. An Lundgrens Seite begegnete man mit Elena Stikhina einer Senta, die einen warmen, slawisch gefärbten Sopran ins Feld führte: durchschlagskräftig, aber stets rund und voll im Klang.

Schade also, dass sie – ebenso wie der etwas kraftlos wirkende zweite Einspringer des Abends, Mikhail Petrenko als Daland – in Sachen Textdeutlichkeit oft nur Annäherungswerte erzielte und ihr sonst gelungenes Debüt etwas getrübt wurde.

Besser bestellt war es in dieser Hinsicht um den Jäger Erik von Eric Cutler: ein eher lyrischer Held, der gemeinsam mit dem sympathischen Steuermann von Benjamin Bruns die Ehre der Tenöre erfolgreich verteidigte. Bleibt zu guter Letzt noch Valery Gergiev, der in der Ouvertüre ein tosendes Unwetter entfesselte, das es beinahe mit den dunklen Wolken hätte aufnehmen können, die sich zuvor über dem Gasteig zusammengebraut hatten.

Überhaupt schien sich der Maestro in den dämonisch düsteren Regionen der Partitur am wohlsten zu fühlen und schlug dabei oft derart flotte Tempi an, dass sich kleinere Unsauberkeiten nicht immer vermeiden ließen. Wodurch sich jedoch weder das routiniert aufspielende Orchester noch der klangmächtig auftrumpfende Philharmonische Chor aus der Ruhe bringen ließen.

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