Die Wandlung zum Saul

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Kampf um jeden Gehaltsscheck: Saul Goodman schlägt sich anfangs als Pflichtverteidiger durch. Foto: Ursula Coyote/Netflix

Noch nie ist eine Serie mit so großen Erwartungen gestartet wie „Better Call Saul“. Der durchtriebene Anwalt Saul Goodman, der als Nebenrolle in „Breaking Bad“ begann, bekommt eine eigene Sendung und soll den Erfolg der Ursprungs- serie wiederholen.

Das könnte klappen.

Deutschlandstart von „Better Call Saul“

Noch nie ist eine Serie mit so großen Erwartungen gestartet wie „Better Call Saul“. Der durchtriebene Anwalt Saul Goodman, der als Nebenrolle in „Breaking Bad“ begann, bekommt eine eigene Sendung und soll den Erfolg der Ursprungs- serie wiederholen. Das könnte klappen.

Von Philipp Vetter

Sechs Minuten lang spricht er kein einziges Wort. Ausgerechnet Saul Goodman schweigt. Der Mann, der sich mit seinem Mundwerk noch aus den verfahrensten Situationen herausquasseln konnte. Oder ist das gar nicht Saul Goodman? Der Mann im abgewetzten Sessel vor dem Fernseher in Omaha, Nebraska, trägt Schnauzer und Kassengestell. Dann legt er eine Videokassette ein, man hört den Ton, das Bild spiegelt sich nur in den Gläsern seiner Brille. Die Spiegelungen sind die einzigen Farbklekse in der sonst komplett schwarz-weißen Eröffnungsszene, es sind die knallbunten Werbespots, mit denen Goodman um Klienten warb – damals als durchtriebener Anwalt in der Serie „Breaking Bad“. Sein Werbeslogan: „Better Call Saul“ (auf Deutsch: „Besser Saul anrufen!“).

Genau so heißt nun der Ableger, ein sogenannter Spin Off der mit Golden Globes und Emmys überhäuften Erfolgsserie „Breaking Bad“. In „Better Call Saul“ spielt nicht mehr Walter White (Bryan Cranston) die Hauptrolle, der sich vom Chemielehrer zum Drogenboss wandelt, sondern der eigentlich als Nebenrolle angelegte Anwalt Saul Goodman. Kaum eine Serie hatte schon vor dem Start der ersten Folge mit so riesigen Erwartungen zu kämpfen wie „Better Call Saul“. Kann das gut gehen? Die Macher von „Breaking Bad“ fangen mit einem ihrer Charaktere noch einmal von vorne an, am selben Ort, mit teilweise denselben Darstellern? Die meisten Spin Offs großer Serien konnten nicht mit den Originalen mithalten und sind in den Augen der Fans gescheitert.

Doch das könnte diesmal anders sein. Denn mit Vince Gilligan („Akte X“) und Peter Gould sind die beiden Hauptautoren von „Breaking Bad“ wieder mit von der Partie. Und sie wollen nicht einfach nur ihre bisherige Geschichte weitererzählen, sondern gehen weit zurück bis in die Zeit vor dem schicksalhaften Aufeinandertreffen von Walter White und Saul Goodman.

Nur die erste Szene zeigt einen kurzen Einblick in die Zeit nach dem „Breaking Bad“-Finale, danach erzählt „Better Call Saul“ zunächst die Vorgeschichte von Goodman. Oder besser – seine Wandlung zum Saul. Zu Beginn von „Better Call Saul“ trägt Goodman nämlich noch seinen bürgerlichen Namen Jimmy McGill und schlägt sich mehr schlecht als recht als Pflichtverteidiger durch. Wie bei „Breaking Bad“ (auf Deutsch etwa: „Auf die schiefe Bahn geraten“) nehmen sich Gould und Gilligan viel Zeit, ihre Charaktere zu entwickeln, und ihnen dabei zuzusehen wie sie immer weiter abdriften.

Die Zuschauer werden zurückkatapultiert ins Jahr 2002, und wie schon bei „Breaking Bad“ übernimmt Albuquerque in New Mexiko, dieser unwirtliche Ort in der Wüste, eine heimliche Hauptrolle. Zum Ensemble gehört neben Bob Odenkirk („Nebraska“, „Fargo“), der McGill alias Goodman spielt, auch Jonathan Banks, der bereits in „Breaking Bad“ die Rolle des Mike Ehrmantraut hatte, er wird später Goodmans Mann fürs Grobe.

Odenkirk glänzt auch in den ersten Folgen von „Better Call Saul“ wieder als wortgewandter, wenn auch erfolgloser Winkeladvokat. Gleich zu Beginn hält er ein mitreißendes Plädoyer für drei Mandanten. Es nützt nichts, der Staatsanwalt muss nur das Beweisvideo vorspielen, auf dem die Angeklagten zu sehen sind, wie sie sich an einer Leiche vergehen. Es ist der schwarze Humor und auch die explizite Gewaltdarstellung, die man bereits aus „Breaking Bad“ kennt.

„Better Call Saul“ ist keine klassische Anwaltsserie, nur wenige Minuten der ersten Folgen spielen im Gerichtssaal. Stattdessen verhandelt Saul schon bald mitten in der Wüste um sein eigenes Leben und das seiner, nun  ja, Mandanten. Der „Richter“ in diesem Fall ist übrigens ein alter Bekannter. Einer von vermutlich noch vielen Gastauftritten von früheren „Breaking Bad“-Figuren. Mehr wird natürlich nicht verraten. Am Ende von Folge zwei hadert Jimmy McGill übrigens schon: „Ich bin ein Anwalt und kein Krimineller. Ich habe eine Grenze überschritten, und ich werde es nie wieder tun.“ Das zumindest wissen „Breaking Bad“-Fans bereits besser.

„Better Call Saul“

startet am heutigen Mittwoch mit den ersten beiden Folgen bei der Internet-Videoplattform Netflix (im monatlichen Abo ab 7,99 Euro enthalten) und bei iTunes (komplette Staffel ab 22,99 Euro). Die weiteren acht Folgen erscheinen immer dienstags.

Zurück zur Übersicht: Kultur & TV

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare