Ein Wanderer zwischen den Gattungen

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Jürgen Becker wurde als Lyriker, Prosa- und Hörspielautor bekannt. Jetzt erhält der 81-Jährige den Büchner-Preis. dpa

Der 81-jährige Schriftsteller Jürgen Becker wird in diesem Jahr mit dem Georg-Büchner-Preis geehrt. Von Katia Rathsfeld.

Jürgen Becker ist überrascht, als er erfährt, dass er in diesem Jahr mit dem Georg-Büchner-Preis geehrt wird. „Ich habe weder damit gerechnet noch darauf gewartet“, sagt der 81-Jährige. Er freue sich aber, dass sein Werk durch die wichtigste literarische Auszeichnung im deutschsprachigen Raum „für einen Augenblick mehr in den Vordergrund rückt“. Gleichzeitig mache ihn der Preis verlegen, gibt der Schriftsteller zu.

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung begründete die mit 50 000 Euro verbundene Ehrung damit, dass Becker in seinem über Jahrzehnte gewachsenen Werk „die Gattungsgrenzen von Lyrik und Prosa beharrlich neu vermessen und verändert“ habe. Becker schrieb erste Texte Anfang der Fünfzigerjahre, nachdem er in einer Mainacht unglücklich verliebt im Birnbaum seiner Großeltern gesessen hatte. „Da gingen mir plötzlich Verse durch den Kopf. Ich bin in mein Zimmer gegangen und habe sie aufgeschrieben“, erzählt der gebürtige Kölner. Von diesem Moment an habe er ein enormes Ausdrucksverlangen gehabt. „Das war etwas, das in mir drin ist. Da will etwas zur Sprache kommen, da will etwas ausgedrückt werden“, sagt er zu seiner Motivation.

Nach einem abgebrochenen Studium der Theaterwissenschaften, Kunstgeschichte und Germanistik wurde Becker 1964 Lektor im Rowohlt Verlag. Im gleichen Jahr erschien sein erster Prosaband „Felder“, in dem er verschiedene Gattungen miteinander vermischte. Auch mit seinen Bänden „Ränder“ (1968) und „Umgebungen“ (1970) wurde er als Verfasser experimenteller Literatur bekannt. Damit habe er versucht, seine „eigene Stimme“ zu finden und sich freizumachen. „Dabei waren mir plötzlich die Gattungen im Wege“, sagt der 81-Jährige rückblickend. Auch deshalb würdigte Literaturkritiker Denis Scheck Becker nach der Bekanntgabe des Büchner-Preises als „großen Avantgardisten und Revolutionär der Prosaform“.

Eine Auszeichnung wie der Georg-Büchner-Preis, der am 25. Oktober verliehen werden soll, verändere ihn als Autor aber nicht. „Für mich selber und mein Schreiben kann und soll so etwas keine unmittelbare Wirkung haben“, sagt Becker. Auch nicht auf sein neues Buch, an dem er gerade arbeitet. Es sei ein Journalroman der „Augenblicke und Erinnerungen“ mit dem Titel „Was wir noch wissen“. Noch heuer möchte Becker den Text fertigstellen.

Zurück zur Übersicht: Kultur & TV

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare