FATS DOMINO, DER LEGENDÄRE BLUESSÄNGER UND PIONIER DER ROCK-REVOLUTION, IST IM ALTER VON 89 JAHREN IN DEN USA GESTORBEN

Der wahre König des Rock’n’Roll

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Fats Domino lebte in New Orleans. F: David Rae Morris/ EPA/ dpa

Von Zoran Gojic. Im Jahr 1991 ist Fats Domino plötzlich wieder in aller Munde.

Kinder und Jugendliche, die noch nie von Domino gehört hatten, singen das fröhliche „I’m walking“ mit, das eine Tankstellenkette als Musik für ihre Werbespots einsetzt. Der Künstler ist damals 63 Jahre alt, wirkt aber wie ein Mann aus lange vergangenen Zeiten – was sehr ungerecht ist. Schließlich ist der Musiker, im Jahr 1928 in New Orleans als eines von acht Kindern in eine kreolische Familie geboren, einer der Pioniere der Rock-Revolution. Die Liste der Verehrer ist lang und illuster: John Lennon und Paul McCartney, Neil Young, Elton John und nicht zuletzt der „King of Rock“, Elvis, der Domino als „wahren König des Rock’n’Roll“ bezeichnet – so euphorisch äußerte sich Presley selten öffentlich über Kollegen.

Domino selbst ist kein Mann der lauten Töne, dabei könnte er eigentlich mächtig angeben. Er hat einen eigenen, unverwechselbaren Stil erschaffen, indem er das vom Swing inspirierte Boogie-Klavier mit Rhythm and Blues versetzt. Dem Produzenten Dave Bartholomew wird das sofort klar, als er Domino in einer Bar spielen hört. Er nimmt ihn unter Vertrag und hat den richtigen Riecher. Schon die erste, selbstironische Single „Fat Man“ wird 1950 ein riesiger Hit – einer der ersten landesweiten Rhythm-and-Blues-Hits überhaupt.

Die Fünfzigerjahre werden das goldene Jahrzehnt von Fats Domino. Er bereitet anderen Rock-Pionieren wie Chuck Berry den Boden und liefert Klassiker in Serie. „Goin’ home“, „Ain’t that a Shame“, Blueberry Hill“, „Jambalaya“, My blue Heaven“ und viele andere schüttelt der Musiker scheinbar mühelos aus dem Ärmel. Noch heute erkennt jeder die Melodien, selbst wenn er Fats Dominos Platten gar nicht kennt. Für 23 Singles wird er in nur zehn Jahren mit Gold ausgezeichnet. Er verkauft insgesamt 65 Millionen Scheiben.

Ausgerechnet die Kinder der Revolution, die Fats Domino mit angezettelt hat, fegen ihn dann Mitte der Sechzigerjahre von der Bühne. Die Beatles, die Rolling Stones, die Kinks, sie alle sind von Domino beeinflusst und verdrängen ihn mit ihrer neuen, wilden Musik aus den Hitparaden. Ironischerweise hat der Mann aus dem Süden der Vereinigten Staaten dann Ende der Sechziger mit seiner Version von „Lady Madonna“ den letzten großen Hit. Die Beatles sehen das Lied als Verbeugung vor Domino. Der tourt weiter fleißig und führt ansonsten ein skandalfreies Leben als Vater von acht Kindern (alle mit derselben Frau) in seiner Heimatstadt, der er ein Leben lang treu bleibt.

Selbst als 2005 der Sturm Katrina sein Haus zerstört, will er nicht weichen. Mit Hilfe berühmter Kollegen wird das Gebäude wieder aufgebaut. Nun ist Antoine Domino, wie er eigentlich heißt, mit 89 Jahren in seinem geliebten New Orleans gestorben. Es ist ein Großer gegangen. Und, vielleicht auch nicht unwichtig zu erwähnen, ein sehr feiner Kerl.

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