EIN VIERTELJAHRHUNDERT NACH DEM ENDE VON „TWIN PEAKS“ WIRD DIE KULTSERIE MIT 18 NEUEN FOLGEN BEIM BEZAHLSENDER SKY FORTGESETZT

Der Wahnsinn geht weiter

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Reaktiviert: Dale Cooper (Kyle MacLachlan, hier mit Nicole LaLiberte). Foto: Showtime

Von Astrid Kistner „Die Eulen sind nicht, was sie scheinen.“ Ein Satz, den man sich in den Neunzigern verschwörerisch auf dem Schulhof zuraunte.

Die kryptische Losung trennte die Ahnungslosen von den Wissenden. Die „Alf“-Gucker von den „Twin Peaks“-Fans. Das rätselhafte Zitat mit den Eulen war nur ein klitzekleiner, verwirrender Baustein in David Lynchs abgedrehter Mysteryserie, die damals Fernsehgeschichte schrieb.

Nach mehr als 25 Jahren und etlichen Querelen um die Fortsetzung meldet sich „Twin Peaks“ jetzt zurück. Der Bezahlsender Sky zeigt ab diesem Donnerstag (20.10 Uhr) 18 brandneue Episoden der amerikanischen Kultserie. Wer von einer dritten Staffel spricht, zieht den Unmut von Regisseur David Lynch („Mulholland Drive“) und Autor Mark Frost auf sich. Im Interview mit der „New York Times“ betont der 71-jährige Lynch, dass wir es hier „keineswegs mit einer Fortsetzung, sondern mit einem eigenständigen Kunstwerk“ zu tun haben. Einem, bei dem der Großmeister im Gegensatz zu früher jede einzelne Episode selbst inszeniert hat.

Da Lynch alte Figuren munter mit neuen mischt, ist es aber durchaus hilfreich zu wissen, worum es 1990 in „Twin Peaks“ ging. Der Tod der hübschen Schülerin Laura Palmer erschüttert die Kleinstadtidylle von Twin Peaks. Wer hat das Mädchen vergewaltigt und ermordet? Im Zuge der Ermittlungen von FBI-Agent Dale Cooper (Kyle MacLachlan) tun sich menschliche Abgründe auf. Das ganze Städtchen scheint irgendwie in das Verbrechen involviert zu sein. Zwerge und Riesen bevölkern das Szenario, das von Folge zu Folge absurder, aber auch unwiderstehlicher wird. Am Ende erscheint die ermordete Laura Palmer (Sheryl Lee) dem in einer Zwischenwelt gefangenen Agenten Cooper und prophezeit, dass sie sich in 25 Jahren wiedersehen werden. Und sie soll Recht behalten.

Die Fortsetzung des Verwirrspiels hat David Lynch noch brutaler, unheimlicher und seltsamer gestaltet. Kyle MacLachlan, der in der zweiten Staffel von „Twin Peaks“ seine Seele dem Dämon überlassen hat, ist immer noch in der Zwischenwelt gefangen. Seit dem Teufelspakt ist ein Doppelgänger von ihm auf freiem Fuß. Ein Zwilling mit schulterlangem Haar, Rockerjacke und ruppigem Auftreten. Verbirgt sich dahinter das Böse selbst? Unheimlich, aufwühlend, auf kühne Art witzig.

Amerikas Kritiker sind sich einig, dass David Lynch es erneut geschafft hat, alle Erwartungen zu übertreffen – auch wenn es unmöglich scheint, den Inhalt der Serie in irgendeiner Form sinnvoll wiederzugeben. Er habe den Folgen noch stärker die Handschrift seiner Kinofilme verpasst, heißt es. Der Höllentrip erinnere manches Mal an Lynch-Schocker wie „Eraserhead“. Dennoch gibt es immer wieder auch die schrägen Momente, die Fans so lieben. Ein Kunstwerk, das seine Faszination aus der Atmosphäre und weniger aus dem Inhalt zieht. Wer sich darauf einlässt, wird mit einem irritierenden Trip ins Unterbewusstsein belohnt.

Allen Nostalgikern und denen, die sich einst beim Satz „Die Eulen sind nicht, was sie scheinen“ verständnislos die Haare rauften, seien Staffel eins und zwei von „Twin Peaks“ empfohlen. Die Serie ist für Amazon-Prime-Kunden beim Streamingdienst kostenlos abrufbar.

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