IN AUGSBURG WURDE UNTER FREIEM HIMMEL DAS FUGGER-MUSICAL „HERZ AUS GOLD“ URAUFGEFÜHRT

Wagnis am Roten Tor

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Pluspunkte der Augsburger Inszenierung: Chris Murray und Roberta Valentini als Jakob und Sibylla. Fotos: Jan-Pieter Fuhr

von tobias hell „Wer siegen will, der muss auch wagen“, hören wir Titelheld Jakob Fugger gleich zu Beginn von der Bühne predigen.

Und tatsächlich, es gehört schon Mut dazu, auf der knapp 2000 Plätze fassenden Augsburger Freilichtbühne am Roten Tor nicht auf einen erprobten Titel zu setzen, sondern mit „Herz aus Gold“ eine Uraufführung zu wagen. Mut, der vom Publikum honoriert wird, das die Darsteller am Ende mit Standing Ovations feiert.

Ob das Stück nach dieser sommerlichen Spielserie ein Leben auch jenseits der Fuggerstadt haben wird, muss sich aber noch zeigen. Denn Stephan Kanyar und Andreas Hillger spielen mit dieser musicalisierten Lebensgeschichte des legendären Renaissance-Finanzgenies mehr als einmal die lokalpatriotische Trumpfkarte. Fast vier Jahrzehnte begleiten sie Jakob Fugger auf seinem Weg, reißen dabei immer wieder neue Themen an und wollen vielleicht ein wenig zu viel hineinpacken. Vor allem, weil neben den vorbeirauschenden historischen Anspielungen auch noch eine (fiktive) Liebesgeschichte erzählt werden soll.

Kanyar kleidet das alles in eine sinfonisch opulente Partitur zwischen Cembalo-Sound und E-Gitarren-Riffs, die gut ins Ohr geht, deren Songs man allerdings oft von irgendwo anders her zu kennen glaubt. Wobei dies auch daran liegen kann, dass die Melodie der Eröffnungsnummer „Augsburg, Augsburg, Du herrliche Stadt!“ in den folgenden zweieinhalb Stunden wieder und wieder und wieder anklingt. Zuständig sind dafür unter anderem vier hektisch überdreht durch die Inszenierung stolpernde Herolde, die man von der Theaterakademie August Everding rekrutiert hat und die hier wie frisch aus Monty Python’s „Ritter der Kokosnuss“ entsprungen scheinen. Regisseur Holger Hauer begegnet dem bunten historischen Bilderbogen nämlich durchaus mit Humor, denkt dabei aber nicht nur in großen Bildern, sondern gönnt auch intimen Momenten genügend Raum. Lob gebührt ebenfalls Karel Spanhak, dessen stimmungsvoll ausgeleuchtetes Bühnenbild sich nahtlos in die Architektur der alten Bastion schmiegt und selbst die sonst oft illusionszerstörenden Lautsprecher ohne akustische Einbußen unauffällig zu kaschieren versteht.

So kann man sich ungestört auf die zwei größten Pluspunkte dieser Produktion konzentrieren: Chris Murray als Jakob und vor allem Roberta Valentini als seine heimliche Liebe Sibylla liefern eine Powerperformance mit jeder Menge Herzblut. Das täuscht fast darüber hinweg, dass ihre Geschichte oft ein wenig konstruiert wirkt.

Nächste Vorstellungen

am 10., 12., 13., 14., 15. Juli, Freilichtbühne am Roten Tor;

Telefon 0821/ 324 4900.

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