NACH DEM EKLAT UM DIE EHRUNG FÜR DIE RAPPER KOLLEGAH UND FARID BANG WIRD DER ECHO ABGESCHAFFT

„Vollständiger Neuanfang“

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Wurde seit 1992 vergeben: Der Musikpreis Echo.

Von Elke Vogel und Rudolf Ogiermann. Künstler, die viele Tonträger verkauften, schmückten sich mit ihm, der Rest der Branche rümpfte stets ein wenig die Nase über die Auszeichnung.

Nun, nach dem Eklat um die Ehrung für die Rapper Kollegah und Farid Bang, ist der Echo Geschichte. Den Musikpreis werde es so nicht mehr geben, wie der Bundesverband Musikindustrie am Mittwoch mitteilte. Er reagierte damit auf die Empörung über die Preisvergabe an das als antisemitisch kritisierte Album „Jung, Brutal, Gutaussehend 3“.

Bereits vor der jüngsten Echo-Gala vor zwei Wochen, am Holocaustgedenktag, hatte eine Überlebende der Shoah eine Textzeile in einem Song der Rapper als judenfeindlich kritisiert. Nach der Verleihung hatten zahlreiche Künstler aus Protest ihre Echos zurückgegeben.

Die Marke Echo sei so stark beschädigt worden, dass ein vollständiger Neuanfang notwendig sei, heißt es in der Mitteilung des Verbandes. Das ziehe auch eine Neuaufstellung beim Echo Klassik und beim Echo Jazz nach sich. Die anstehenden Preise in der Sparte Jazz sollen am 31. Mai in Hamburg in kleinerem Kreis ohne das Fernsehen verliehen werden.

Deutschland brauche als drittgrößter Musikmarkt der Welt „zur genre-und generationsübergreifenden Auszeichnung von Künstlerinnen und Künstlern“ weiterhin „Musikpreise mit Leuchtturmcharakter“. Man wolle jedoch keinesfalls, dass dieser Musikpreis als Plattform für Antisemitismus, Frauenverachtung, Homophobie oder Gewaltverharmlosung wahrgenommen werde. Das um die Echo-Verleihung herum Geschehene, wofür der Vorstand sich entschuldigt habe, könne zwar nicht mehr rückgängig gemacht werden, man werde aber dafür sorgen, dass sich ein solcher Fehler in Zukunft nicht wiederhole, heißt es in der Mitteilung des Verbandes.

Nach der umstrittenen Echo-Verleihung an die Rapper Kollegah und Farid Bang hatten zahlreiche Musiker ihre Echos zurückgegeben – darunter Stardirigent Daniel Barenboim und Sänger Marius Müller-Westernhagen. Das Album der Rapper enthält Textzeilen wie „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ und „Mache wieder mal ’nen Holocaust, komm’ an mit dem Molotow“. Bei der Gala in Berlin hatte allein Sänger Campino von den Toten Hosen auf der Bühne das Wort ergriffen und angeprangert, dass eine Grenze überschritten worden sei. Deutschrocker Peter Maffay hatte aus Protest den Saal verlassen. Später sprang ein Sponsor ab.

Die Bertelsmann Music Group (BMG) hat sich inzwischen von den Rappern getrennt. „BMG hat die Zusammenarbeit mit den Künstlern Kollegah und Farid Bang beendet“, heißt es in der Stellungnahme. Zum genauen Zeitpunkt der Trennung wollte sich ein Sprecher nicht äußern. Tage vor der Preisverleihung hatte die BMG Kollegah und Farid Bang noch in Schutz genommen und verlauten lassen: „Wir nehmen Künstler und künstlerische Freiheit ernst, und wir sagen unseren Künstlern nicht, was ihre Texte enthalten sollten und was nicht“.

Der Deutsche Musikpreis Echo wurde seit dem Jahr 1992 verliehen. Die Gewinner wurden überwiegend auf Grundlage der Zahl ihrer verkauften Alben ermittelt, weswegen die erfolgreichsten Musiker manchmal mehrere Jahre in Folge ausgezeichnet wurden. Rekordhalterin war Helene Fischer mit insgesamt 17 Trophäen.

Der Bundesverband Musikindustrie erklärte, für einen Neuanfang habe der Vorstand bereits erste konkrete Schritte benannt. Er werde die drei Preise in eine eigene Struktur überführen. „Im Zuge dessen werden auch die bisher involvierten Gremien ihre Tätigkeit einstellen. Die Kriterien der Nominierung und Preisvergabe werden dabei vollständig verändert.“ Wie beim Echo Klassik und Echo Jazz, die von Beginn an reine Jurypreise gewesen seien, solle beim neuen Musikpreis auch für den Bereich Pop die Jury stärker in den Vordergrund rücken: „Für die Konkretisierung der Änderungen wird sich der Vorstand die erforderliche Zeit nehmen.“

Mit dem erklärten Ziel, den neuen Preis im Sinne aller Künstler sowie der gesamten Branche zu gestalten, solle es im Juni einen Workshop geben, um möglichst viele Ideen und Erwartungen aus der Branche beim Prozess der Neugestaltung einzubeziehen. Der Verband sei zudem bereits „an Institutionen herangetreten, um die gesellschaftlich notwendige Debatte über die Kunstfreiheit und ihre Grenzen mitzugestalten“. " KOmmentar, Seite 2

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