ANTONIO PAPPANO UND ANNE-SOPHIE MUTTER IM MÜNCHNER GASTEIG

Voller Liebe

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Antonio Pappano Foto: Musacchio

von maximilian maier. Er wird anscheinend nicht nach München kommen – obwohl Antonio Pappano lange einer der Favoriten für den GMD-Posten an der Bayerischen Staatsoper war.

Bei einem Gastspiel mit dem Orchestra dell’Academia Nazionale di Santa Cecilia stellt er eindrucksvoll unter Beweis, warum er heiß begehrt ist. Voller Energie und spürbarer Liebe ist Pappano Diener der Musik und Spiritus rector zugleich: temperamentvoll und doch über den Dingen stehend, sich jeder Note hingebend und doch kontrolliert.

In Beethovens Violinkonzert betont er den martialischen Charakter dieses während der Napoleonischen Kriege verfassten Werkes, aber stets mit Grandezza, nie plump. Dabei rollt er der Solistin den roten Teppich aus: Anne-Sophie Mutter betritt ihn kunstvoll, zelebriert die Durchführung des ersten Satzes wie ein lyrisches Hochamt. Und weil Pappano mitzelebriert, wirkt es glaubwürdig. In der Kadenz greift Mutter den militärischen Charakter der Einleitung auf und erzählt eine Geschichte, quasi als intimes Konzentrat des gesamten Satzes. Die Wiederaufnahme des Themas zur Pizzicato-Begleitung spielt sie, der so viele Farben zur Verfügung stehen wie wenigen anderen, als aschfahle Totenklage. Im Larghetto bringt sie die Farbspiele so weit, dass ihre Geige fast wie ein Holzblasinstrument klingt: irritierend artifiziell und zugleich beeindruckend.

Im „Heldenleben“ von Richard Strauss vermeidet Pappano alle pittoresken Illustrationen und feiert ein orgiastisches Klangspektakel. Nach den fabelhaft unprätentiösen Geigensoli von Roberto González-Monjas und den Ferntrompeten nimmt die Tondichtung rasant an Fahrt auf. Pappano lässt das Blech strahlen – bei immer hörbarem Holz! Kleiner Wermutstropfen: Diese Intensität erreicht das Orchester in den so unfassbar schönen Momenten des letzten Teils nicht. Nach dem gewaltigen Fortissimoaufbäumen ist der Sprung zur totalen Verinnerlichung zu groß.

Keine Wünsche offen lässt der zugegebene dritte Tanz aus Verdis „Macbeth“. Musik, für die Pappano aktuell der Interpret schlechthin ist.

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