Voller Kontraste

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Alan Gilbert am Pult der Münchner Philharmoniker. von gabriele luster.

Alan Gilbert ist der Chef des New York Philharmonic Orchestra, ein Pultstar ist er nicht. Vielmehr wundert man sich, wo das, was man hört, überhaupt herkommt. Denn sein Dirigier-Stil wirkt eher beliebig. Trotzdem ließen sich die Münchner Philharmoniker am Montag im lückenhaft besetzten Gasteig nicht lumpen, als der Mann aus New York zwischen Respighi und Debussy Beethovens erste Symphonie bettete.

Natürlich kann man diese historisch informiert und mit kleiner Besetzung angehen – beides geschah nicht, und doch gelang es dem Dirigenten, vom ersten Ton an zu zeigen: Hier ist Beethoven am Werk, der neben Haydn und Mozart seinen ureigenen Weg einschlägt. Wie gewünscht breitete das Orchester in der langsamen Einleitung das kompositorische Werkzeug aus und steigerte sich fortan in eine nicht nachlassende Spannung. Heftige Akzente und eine kontrastreiche Dynamik, auch ein bisschen Überrumpelung im schon scherzohaften Menuett wurden geboten und eine erstaunliche Duftigkeit zu Beginn des Finales, das feurig endete.

Ottorino Respighis „Fontane di Roma“ (Brunnen Roms) begannen mit dem Idyll der famosen, philharmonischen Holzbläser und impressionistischem Farbenspiel. Die atmosphärischen Klangbilder gipfelten im Spektakel der Fontana di Trevi mit Blech und Orgelgebraus, bevor der Abend mit Glockenklang heraufdämmerte. Zum echten Impressionisten fanden Dirigent und Orchester nach der Pause. Debussys „Images“ boten nicht nur dem nun um eine Oboe d’amore erweiterten Holz erneut Gelegenheit, in vielen Stimmungen zu changieren. Auch die Streicher sorgten in den Rondes (Frühlingsreigen) für ein bewegtes Wogen und steuerten nach dem „Durcheinander“ auf spanischen Straßen ein wenig Süße bei für den von der Solo-Oboe beschworenen, schweren Duft der Nacht. Kurzer, heftiger Applaus.

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