Voller Freude

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Die Münchner Philharmoniker unter Lorin Maazel begingen den Jahreswechsel mit Beethovens 9. Symphonie

von christof fiedler

Klingende Botschaft – hier wie dort vor den ideologisch-politischen Karren gespannt. Eine bis dato vorhandene musikalische Formvorschriften in unerhörter Weise konterkarierende Symphonie – die genau genommen gar keine ist. Die Rede ist, natürlich, von Beethovens 9. Symphonie, d-Moll op. 125. Mit diesem Ausnahmewerk den Jahreswechsel zu begehen hat jedenfalls Tradition: Die Münchner Philharmoniker und der Philharmonische Chor München (Einstudierung: Andreas Herrmann) unter der Leitung von Chefdirigent Lorin Maazel hatten in die Philharmonie im Gasteig geladen.

Mit gelungener Tempowahl schritten die Musiker in den ersten Satz „Allegro“. Der Vorgabe „un poco maestoso“ trug das Orchester durch die penible Vermeidung von „Blechseeligkeit“ Rechnung, die präsenten Holzbläser sorgten stattdessen für samtene Eleganz. Der zweite Satz, im Tempo forsch angelegt, ließ anfangs so etwas wie eine unbefangene Frische spüren, litt aber im Mittelteil unter dem aus dem „Presto“ heraus nochmals forcierten Tempo, setzte sich dort der Gefahr der Verflachung aus und ließ den gesamten Satz etwas sperrig, scherenschnittartig wirken. Ein sehr gelungener dritter Satz verströmte danach Kontemplation, deutete weit in künftige romantische Welten hinein – ohne dabei jedoch jeglichen Ansatz von Sentimentalität zu verbreiten. Das machte neugierig auf den Finalsatz.

Lorin Maazel fügte dort die Themenzitate der vorangegangenen Sätze, das in sich ausgewogene Solistenquartett Luba Orgonášová (Sopran), Alexandra Petersamer (Mezzosopran), Christian Elsner (Tenor) sowie Georg Zeppenfeld (Bass), und das sehr homogen agierende Orchester zu einem schlüssigen, wie freudigen Ganzen.

Der Philharmonische Chor München gefiel in sensibler Abstimmung gerade in den gemeinsamen Parts mit den Solisten, wenngleich etwas zu viel überbordende „Freude“ die Frauenstimmen des Chores in den Fortissimo-Passagen zur Überpräsenz neigen ließ.

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