Volle Operettenkraft voraus

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„Gräfin Mariza“, Prinzregententheater.

„Komm’ mit nach Varasdin, solange noch die Rosen blüh’n“ – mit diesem und manch anderem Hit verwöhnte das Münchner Rundfunkorchester im dicht besetzten Prinzregententheater die Operettenfans. Von den ersten Tönen der Ouvertüre an stürzten sich das Ensemble und Dirigent Erwin Theis in Emmerich Kálmáns Erfolgsstück „Gräfin Mariza“. Operette als konzertante Aufführung, das ist nicht ganz so einfach, wie auch dieser jüngste Versuch zeigte: Als ginge es um sein Leben, so warf sich der Dirigent ins Geschehen. Ungebremstes Temperament, durchschlagende Phonstärke und hohe Präzision: Die Musiker waren auf den Punkt konzentriert und mit Schwung bei der Sache, kosteten die rhythmische Vielfalt – ob Walzer, Foxtrott oder Ungarisches – ebenso aus wie die Verzögerungen, Beschleunigungen und Wechsel in der Dynamik, mit denen Theis für Lebendigkeit, Humor, Spannung und Sentiment sorgte.

Dass der Dirigent mit dem Orchester und dem von der Wiener Volksoper ausgeborgten Chor in die Vollen ging, störte die Titelheldin nicht. Betsy Horne krönte als Mariza mit ihrem an Wagner und Strauss gereiften, wunderbar gerundeten Sopran auch die Kálmán’schen Orchesterwogen ohne jede Schönheitseinbuße. Ein Genuss, ihr zuzuhören, obwohl der Text wie bei allen anderen auf der Strecke blieb. Dass sich noch nicht einmal der minimalste, auch in einer konzertanten Aufführung charmant belebende Kontakt zum Partner, dem Grafen Tassilo, ergab, lag nicht an ihr.

Mehrzad Montazeri brüskierte das Publikum geradezu, weil er – unsicher oder überfordert – so an den Noten klebte, dass nicht der kleinste Blick seinen Mitstreitern oder seinen Zuhörern galt. Dabei kann sich sein gelegentlich forcierter Tenor durchaus hören lassen. Ins Forte trieb der Dirigent zuweilen auch das typgenau besetzte, sogar ein kleines Tänzchen wagende Buffo-Paar: Lydia Teuscher und Jeffrey Treganza. Die beiden sorgten mit dem blasierten Fürsten von Peter Schöne für Spaß, Kalauer, Lacher und sogar political correctness, wenn von Zigeunern, nein Roma die Rede war. gabriele luster

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