TRAUER UM DEN SCHAUSPIELER UND SOLDATEN LEE ERMEY

Virtuoser Rüpel

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von zoran gojic „Ich bin Gunnery Sergeant Hartman und zuständig für eure Grundausbildung!

Von nun an werdet ihr nur reden, wenn ihr angesprochen seid! Und das erste und das letzte Wort aus eurem dreckigen Maul wird ,Sir‘ sein! Habt ihr Maden das verstanden?“ Mit diesen Worten stellt sich Ronald Lee Ermey 1987 im Vietnam-Drama „Full Metal Jacket“ vor. Es sind die mit Abstand harmlosesten Beschimpfungen, mit denen er als Drillsergeant die Rekruten überzieht.

Eigentlich soll Vietnamveteran Ermey als Berater nur für einen realistischen Umgangston sorgen, aber Regisseur Stanley Kubrick lässt ihn, fasziniert von endlosen Beleidigungskaskaden, die Rolle des Ausbilders übernehmen. Ermey wird der heimliche Star des Films und oft parodiert – der größtmögliche Ritterschlag. Schon zuvor steht er gelegentlich vor Kameras, aber nun, mit 43, beginnt die große Karriere des Ex-Elitesoldaten. Weit mehr als 100 Filme dreht er in 30 Jahren. In der Regel sind es kurze, aber prägnante Auftritte in seiner Paraderolle als harter Hund. Es macht ihm Spaß, nie beklagt er sich, auf einen Typ festgelegt zu sein. Er ist schließlich auch privat nicht so furchtbar viel anders.

Selbstverständlich nimmt er die US-Armee immer und bedingungslos in Schutz, vertritt die Interessen der Waffenlobby, raucht Zigarren und flucht, wie sonst keiner mehr flucht. Er schreibt seine Parts immer selbst. Denn kein Drehbuchautor kommt auf einen Dialog wie diesen: „Wie groß sind Sie, Private?“ „Sir, 1,75, Sir!“ „Seit wann kann man Scheiße so hoch stapeln?“

Nun ist Ermey, dieser virtuose Rüpel mit 73 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Nie wieder wird jemand so kunstvoll im Kino fluchen. Sir, niemand, Sir.

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