KONZERTKRITIKEN

Virtuose Grenzgänger

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Maria und Matthias Well, Herkulessaal.

Schwer zu sagen, wer aufgeregter war: Die Geschwister Maria (28) und Matthias Well (24), die seit drei Jahren als „twoWell“ auftreten, oder ihr Vater Michael, dem in der Rolle des Zuschauers die Erfahrung von tausenden eigenen Auftritten mit der Biermösl Blosn nicht weiterhalf. Die Kinder jedenfalls brauchten am Dienstagabend keine Minute, dann waren sie im Fluss und rockten als Solisten mit Cello und Geige den ausverkauften Herkulessaal.

Das Programm – Halvorsen, Brahms, Piazzolla, Ravel – offenbart die Geschwister als Grenzgänger: In der Volksmusik aufgewachsen, sind sie längst in der Klassik daheim und Ausflügen in moderne Genres nicht abgeneigt. Souverän-zurückhaltend begleitet von Pianistin Lilian Akopova schöpfen sie ausdrucksstark und mit perfekter Bogenführung die Bandbreite ihrer Instrumente aus.

Und sie verstehen sich blind. Wo Piazzolla im Frühling seiner „Vier Jahreszeiten“ den Melodiebogen vom Cello an die Geige weiterreicht, scheinen die Instrumente zu verschmelzen. Michael Well, der in Brahms’ Violinsonate seine Geige eben noch wunderschön singen und erzählen ließ, nutzt in Ravels „Tzigane“ die Möglichkeit, sich virtuos auszutoben. Die ältere Schwester hat sich dafür Guldas Konzert für Cello und Blasorchester ausgesucht – ein Stück, das den Bogen vom Barock über österreichische Volksmusik bis zu Funk und Jazz spannt.

Die ebenso zierliche wie temperamentvolle Cellistin nutzt die Freiräume, die vom Komponisten in der Partitur eröffnet werden, um ihre komödiantische Ader auszuleben. Da lässt das Cello ein Martinshorn durch den Saal fahren, verbreitet Gewitterstimmung und tritt mit Flageolett-Tönen in Dialog mit dem pfeifenden Dirigenten Gregor Mayrhofer.

Der übrigens kann nicht nur gut pfeifen, sondern treibt das 16-köpfige Orchester zu großen Leistungen an. Auch als Gulda zwischen Bigband-Sound und höfischem Menuett tief in die Kiste des alpenländischen Idylls greift, bleibt Maria Well authentisch. Ihre Cello-Passagen, obwohl hart am Kitsch angelegt, sind wunderschön.

Am Ende bleibt den Geschwistern, Applaus und Jubel des Publikums an die, so sagt Maria, „sauguadn Musiker“ weiterzureichen. Kein Zweifel: Maria und Matthias Well, wie wohl alle Mitglieder der berühmten Familie mit Musik groß geworden, sind auf dem besten Weg, zu großen Solisten zu werden. peter T. Schmidt

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