Versponnenes für alle

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KONZERTKRITIKEN  . Alt-J,.

Zenith

Der Erfolg von Alt-J kann einem fast den Glauben an die Menschheit zurückgeben: Die experimentierfreudige britische Indie-Band hat erst zwei grandiose Alben mit verspielten, verspulten und versponnenen Songs veröffentlicht, die sich dem Formatradio und dem Massengeschmack konsequent verweigern – und trotzdem füllt sie bei uns gigantische Hallen. Auch das Konzert im Münchner Zenith war seit Wochen ausverkauft. Schön, dass es im Helene-Fischer-Land offenbar auch viele Leute mit exquisitem Musikgeschmack gibt. An der Optik kann es jedenfalls nicht liegen. Die Jungs aus Leeds sind völlig uncool und allen Rockstar-Posen abgeneigt; regungslos stehen sie auf der Bühne, konzentriert darauf bedacht, ihre sperrigen Soundcollagen live umzusetzen, was ihnen mit beängstigender Präzision gelingt. Sie erschaffen einen komplexen, kontrastreichen Klangkosmos aus Chorgesang, kniffligen Rhythmen, originellen Harmoniefolgen und abwechslungsreichen Arrangements, in denen ein Glockenspiel ebenso Platz findet wie ein Miley-Cyrus-Sample. Verblüffend, dass dieses fragile Gebilde auch in der Riesenhalle funktioniert und die Fans trotz aller Vertracktheit zum Tanzen und Mitsingen animiert. Eine aufwändige Lightshow verbindet sich mit den zwischen Melancholie und Euphorie changierenden Songs zum beeindruckenden Gesamtkunstwerk: hypnotisches, ganz großes Independent-Kino. marco schmidt

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