DIE RTL-ADAPTION VON „DAS JOSHUA-PROFIL“ HASTET IM SCHWEINSGALOPP DURCH DEN ERFOLGREICHEN FITZEK-THRILLER

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Die Schauspieler Armin Rohde (li.), Torben Liebrecht und Franziska Weisz können die in vielen Punkten unlogische Verfilmung von „Das Joshua-Profil“ nicht retten. Foto: Fischer/ dpa

Von Carsten Rave. Menschen, deren Handeln im digitalen Zeitalter von skrupellosen Raubrittern mit schier unendlicher Macht bestimmt wird, bilden einen guten Thrillerstoff.

Das hat auch Sebastian Fitzek erkannt. Mit seinem Roman „Das Joshua-Profil“ landete der 46-Jährige einen Publikumshit. RTL entging das nicht. Der Kölner Sender erwarb die Rechte daran und verfilmte den Stoff in gut 100 Minuten Länge. Das Ergebnis ist am Karfreitag um 20.15 Uhr zu sehen.

Leider hapert es bei der filmischen Umsetzung des erfolgreichen Stoffes: Warum lässt sich ein Vater zu Beginn des Films von einem anonymen Anrufer zu einem finsteren Ort im Hafen locken, wenn die fiese Stimme ihm gleichzeitig droht, seine Tochter (die im Obergeschoss seelenruhig schläft) sei in extremer Gefahr? Statt die Polizei einzuschalten, macht sich Max (Torben Liebrecht) gleich auf in den Westhafen, dort explodiert vor seiner Nase ein Auto, er fährt nach Hause zurück, findet seine Pflegetochter Jola (Lina Hüesker) traumatisiert in ihrem Bett. Die muss sofort ins Krankenhaus, turnt aber schon wenige Tage später durch die Gegend, als sei nichts gewesen. Die schlampige Polizei ermittelt sogleich gegen Max, weil sie in seinen Schubladen Hinweise auf ihn als Täter findet. Max, das weiß jeder Zuschauer sofort, ist natürlich nicht Täter, sondern zufällig gewähltes Opfer einer üblen Pseudofirma, die versucht, ihren Kunden weiszumachen, dass sich das Handeln von Menschen dank digitaler Technik voraussagen lasse.

Damit sich die Schlinge um Max noch enger zuzieht, entführt die Verbrecherriege Jola und zwingt den verzweifelten Vater nicht nur, den Kampf gegen alle aufzunehmen, sondern auch die Spur seiner Tochter. Zum Glück hat er Verbündete in seinem rücksichtslosen Anwalt (stark: Armin Rohde), in seinem mit ihm schicksalhaft verbundenen Bruder Cosmo (Max Hopp) und in Frida (Inez Bjørg David).

Ob Fitzek-Fans die Adaption des Stoffes begeistern wird? Die Klärung dieser Frage muss mit Skepsis angegangen werden. Dem Thriller hätte mehr Präzision, mehr Erklärung und deutlich weniger Schweinsgalopp im Stil von Micky Maus mit Tempo 100 auf der Verfolgung von Supergauner Kater Karlo gut getan. Der richtige Weg wäre vermutlich eine Miniserie gewesen, in vier oder sechs Teilen. Doch RTL beließ es beim grob gestrickten „Eventfilm“. Ungeachtet der Resonanz steht der nächste Fitzek-Roman im April zum Dreh für RTL an: Auch „Passagier 23“ wird ein Einzelstück werden.

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