PREMIERENKRITIK

Versandeter Auftakt

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Starke Bühnenpräsenz: Peter Lohmeyer (Bassa). Foto: Uhlig

Zum Start der Salzburger Mozartwoche inszenierte Andrea Moses „Die Entführung aus dem Serail“

von tobias Hell

Bei einer Oper wie der „Entführung aus dem Serail“, die den Clash der Kulturen ebenso thematisiert wie den Kampf der Geschlechter, muss man nicht lange suchen, um eine Relevanz des alten Stoffes für unsere Tage zu finden. Vielleicht sollte man daher froh sein, dass sich Andrea Moses bei ihrer szenischen Neudeutung für die Salzburger Mozartwoche keineswegs mit plumper Aktualisierung und dem Nacherzählen von Boulevard-Überschriften abgibt? Obwohl, so ganz stimmt auch das wieder nicht: Ist es doch ein von Belmontes Vater geknipstes Paparazzo-Foto, das hier das Glück des Bassa zerstört und ihn ins Exil treibt. Das zumindest erzählt uns ein einleitender Super-8-Film, der die Vorgeschichte in den Sechzigerjahren verortet.

Je weiter der Abend voranschreitet, umso mehr verliert er die Figuren und ihre Motivationen aus den Augen. Darunter hat an erster Stelle Peter Lohmeyer zu leiden. Trotz starker Bühnenpräsenz kann selbst sein charismatischer Bassa nicht darüber hinwegtäuschen, dass die neu erstellte Textfassung zunehmend verfranzt und schließlich in fadem Slapstick versandet – unterfüttert mit Koran-Zitaten, Goethes „West-östlicher Divan“ sowie einigen netten Eigenkreationen.

Musikalisch bleibt von dieser Premiere ebenfalls ein zwiespältiger Eindruck. Denn auch René Jacobs, der am Pult der Berliner Akademie für Alte Musik mit zackigen Tempi dynamisch durch die Partitur fegt, ist leidlich bemüht, einen ganz anderen Mozart zu zeigen, als man ihn bisher gewohnt war. Da dürfen sich als dramatische Effekte auch mal das „Rondo alla turca“, die „Maurerische Trauermusik“ und ein türkischer Marsch von Michael Haydn einschleichen. Nicht zu vergessen das Hammerklavier, das die zähen Dialoge mit musikalisch vorausblickenden Improvisationen unterfüttert, was die Balance aber eher ins Schwanken bringt, als die Kluft zwischen gesungenem und gesprochenem Wort zu überbrücken.

Das junge Sängerensemble zieht sich dennoch mehr als achtbar aus der Affäre. Sebastian Kohlhepp gibt mit unverbraucht frischem Tenor einen sympathischen Belmonte, dem Julian Prégardiens spielfreudiger und ähnlich lyrischer Pedrillo kaum nachsteht. Während David Steffens am unteren Ende des vokalen Spektrums einen stimmlich wie darstellerisch agilen Osmin präsentiert, der bestens mit Nikola Hillebrands höhensicherem Blondchen harmoniert. In dieser Rolle hätte sich wahrscheinlich auch Robin Johannsen wohler gefühlt, für die die Konstanze hörbar eine Grenzpartie darstellt, deren Spitzentöne diese Grenze auch teilweise überschreiten.

Weitere Vorstellungen

morgen und am 2. Februar;

Telefon 0043/ 662 87 31 54.

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