Verdi zwischen Zauberei und Schwimmfest

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Verdis irdischer Stellvertreter: Riccardo Muti dirigierte im Großen Festspielhaus die Messa da Requiem. foto: dpa

SALZBURGER FESTSPIELE   Am Tag 28 der Festspiele war es so weit, da betrat endlich er das Podium.

Verdis irdischer Sachwalter und Stellvertreter, ein recht spätes Erscheinen im Jahr des 200. Komponistengeburtstages. Mit Konzerten und konzertanter Oper aus Verdis Feder ist Riccardo Muti heuer in Salzburg nur vertreten, dafür immerhin mit einem Leib-und-Magen-Stück, der Messa da Requiem.

Die beste, nur raubmitgeschnittene Aufführung des Stücks stammt ja von ihm. Anfang der Achtzigerjahre war das, als Muti Münchens Herkulessaal beim BR-Symphonieorchester an den Rand des Einsturzes brachte. Viel hat sich in den drei Dekaden getan, wie jetzt in Salzburgs Großem Festspielhaus zu erleben war. Energie, Kraft, Intensität, Spannung, das ist nach wie vor vorhanden. Doch die Schrecken des Todes inszeniert Muti nun souveräner, abgeklärter, gelassener. Dieses Requiem bestürzt in den besten Momenten, schwitzt aber nicht. Für die beiden Chorfugen lässt sich Maestro nun Zeit, ist an Details, nicht an Effekt und Dauergalopp interessiert. Überhaupt ist da eine altväterliche Innerlichkeit herauszuhören. Nicht den ganzen Kosmos lässt Muti zusammenstürzen, sondern die ganz persönliche Welt des betrachtenden Individuums.

Dazu passt, dass keine „opernhaften“ Solisten verpflichtet wurden. Selten passt ein Quartett beim Verdi-Requiem so gut zusammen wie hier. Piotr Beczala ist ganz Stilist, singt ohne Schluchzer und Säuseln, das Ingemisco ist fern von einer hemdaufreißenden Arie. Elina Garanča wirkt bühnenbeherrschend gerade in ihrer Ruhe und Unerschütterlichkeit, gibt auch einen Vorgeschmack auf mögliche Sopranrollen: Tosca, Santuzza, das wäre irgendwann schon denkbar. Dmitry Belosselskiy ist ein klug gestaltender Prachtbass. Einzig Krassimira Stoyanova hält sich merkwürdig zurück. Extremhöhen, Lyrisches – alles da, aber wie durch Watte gesungen.

Muti ist Routinier im besten Sinne. Bei gefährlichen Scharnierstellen fasst er sofort nach. Und wo es was zu zaubern gibt, ist er dabei. Ansonsten waren seine Qualitäten als Steuermann gefragt. Viele Proben (mutmaßlich zwei) konnte es nicht gegeben haben. Der Introitus: ein Schwimmfest. Auch später Schlingern, Unschärfen. Festen Blickes in die Noten, weniger auf den Dirigenten dackelte die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor anfangs hinter Mutis Schlag hinterher. Bei den Wiener Philharmonikern hatte das Personal an den ersten Pulten viel zu tun, die Hinterbänkler hielten sich zurück. Das Tuba mirum freilich mit den perfekt austarierten Ferntrompeten hatte CD-Qualität.

Eine erste Aufführung als teuer verkaufte Generalprobe, das wird an einem solchen Ort zur Fast-Farce. Täglich ist dieses Orchester aktiv, Ausgefeiltes kann da nur Utopie bleiben. Wieder einmal haben die Philharmoniker in diesen Tagen mit dem Weggang aus Salzburg gedroht. Entlastung durch andere Ensembles? Den Herren von der Donau kann, ganz im Dienste der Musik, gern geholfen werden.

Weitere Aufführungen

an diesem Samstag und Sonntag, jeweils 11 Uhr, Telefon 0043/ 662/ 8045-500.

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