Unter Hochdruck

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Yannick Nézet-Séguin mit den BR-Symphonikern im Herkulessaal . Mit den Titeln ist es so eine Sache.

Denn oft sind die Bezeichnungen, unter denen Werke zu Berühmtheit gelangen, nicht vom Komponisten selbst gewählt. So auch bei Haydns „Trauersymphonie”, die man sich beim BR-Symphonieorchester als sinnfällige Ergänzung zum „Deutschen Requiem“ von Brahms wählte. Sie hatte ihren Beinamen durch die Verwendung bei einer Trauerfeier zu Ehren des Komponisten erhalten.

Dirigent Yannick Nézet-Séguin schwelgte im Herkulessaal nun pathetisch in den in Moll gehaltenen Sätzen und verfing sich dabei mehr als einmal in den allzu breit angelegten Tempi, die dem Werk jede Leichtigkeit nahmen.

Unter permanentem Hochdruck ebenfalls das ähnlich gewichtig angegangene Brahms-„Requiem“, mit dem sich in erster Linie der von Michael Gläser homogen einstudierte BR-Chor glänzend in Szene zu setzen vermochte. Er brach im zweiten Satz mit einer Urgewalt herein, wurde von Nézet-Séguin in der Folge aber wie das Orchester leider nur selten aus dem Fortissimo-Bereich entlassen. Zu welchen sanften Piani und feinen Abstufungen das Ensemble darüber hinaus fähig war, bemerkte man in „Selig sind, die da Leid tragen“ und „Selig sind die Toten“. Sie zeigten, dass Spannung keineswegs nur durch Lautstärke herbeigezaubert werden kann.

Eben darum bemüht war auch Matthias Goerne, der sich mit seinem ersten solistischen Einwurf noch warm zu singen schien, dann bei „Siehe, ich sage euch ein Geheimnis“ seine Erfahrung als Liedsänger ausspielen konnte. Hierin tat es ihm Christiane Karg gleich, die jede Silbe auf die Goldwaage legte und mit ihrem klar geführten Sopran einen reizvollen Kontrast zu Goernes markigem Bariton verkörperte. Leicht machten es die zähen Tempi des Dirigenten aber auch ihr dabei nicht immer. Tobias Hell

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