Ungewöhnliche Klangsprache

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konzertkritiken . MKO,.

Prinzregententheater

Beim monatlichen Stelldichein des Münchener Kammerorchesters (MKO) im gut gefüllten Prinzregententheater erinnerte das Programm an einen bekannten Filmtitel: drei Werke klassischer Hoch-Zeiten und kein Todesfall, vielmehr ein „Tag der Geburt“ prägten das fünfte MKO-Abokonzert zum Saison-Motto „Kindheit“. Das Thema spiegelte sich bei den Klassikern im Alter der Komponisten: Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven und Georges Bizet schrieben ihre aufgeführten Kompositionen zwischen 17 und 21 Jahren. Erstaunlich an den Frühwerken ist die klangliche Verwandtschaft: Die Hauptsätze von Bizets „Symphonie Nr. 1“ und Beethovens „Kontretänze“ könnten auch Gebrauchsmusik vom Salzburger Wunderkind sein, während dessen kleine g-Moll-Sinfonie seine dramatisch-dunkeltönigen Meisterwerke ankündigt. Hier demonstrierte das MKO unter Jos van Immerseel seine Stärken in Transparenz und fast kammermusikalischer Differenziertheit, die ihm der niederländische Meister auf dem Gebiet der historischen Aufführungspraxis entlockte.

So interessant die klangliche Verwandtschaft, so erfrischend nahm sich die Rarität des Abends aus. Gerald Finzis 1940 fertiggestellte Kantate „Dies Natalis“ kreist nach einer Vorlage aus der englischen Barocklyrik um die Gedanken eines Neugeborenen, das der britische Tenor Ian Bostridge exzentrisch akzentuiert interpretierte. In inniger Interaktion wurden Dirigent und Solist zu Geburtshelfern einer ungewöhnlichen Klangsprache zwischen impressionistischem Schwermut und den Streicherklang auskostender Moderne jenseits avantgardistischer Strömungen. anna schürmer

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