AUSNAHME-CELLIST YO-YO MA IN DER AUSVERKAUFTEN PHILHARMONIE

Ungewöhnlich

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von anna Schürmer. Altern ist keine Freude – mit Ausnahme edler Streichinstrumente und herausragender Musiker.

Das hat am Montag einmal mehr der 62-jährige Yo-Yo Ma auf seinem Davidov-Stradivari-Cello, das rund 300 Jahre alt ist, bewiesen. Aus Alt macht Neu passt auch zum Programm, das der Ausnahmecellist in der ausverkauften Philharmonie spielte: Zwischen drei Cello-Suiten von Johann Sebastian Bach wurden zwei Werke des 20. Jahrhunderts platziert, die doch in Tradition der barocken Referenzwerke stehen. Paul Hindemiths Sonate op. 25 Nr. 3 ist tönender Expressionismus. Am letzten Kraterrand der Tonalität setzte der Komponist dichte Klangspektren und post-romantische Melodiefolgen, die in ihrer Architektur verweisen auf die Bach-Suiten, die sie rahmen.

Das Konzert beginnt mit den fließend gebrochenen Arpeggios von Nr. 1 in G-Dur, in deren tänzerischen Satzfolgen Yo-Yo Ma eine wunderbare Leichtigkeit des Seins zum Ausdruck bringt. Das Geheimnis seines Spiels ist die Paarung von Intuition und Intellekt, mit der er auch die ausschweifende Nr. 5 in c-Moll zum Leuchten bringt.

Nach der Pause dann die 1955 entstandene Sonate für Violoncello solo von George Crumbs, die Anklänge barocker Tanzsuiten nicht meidet – und doch zwischen gitarrenhaften Pizzicati, atonalen Melodielinien und expressiven Rhythmusfolgen eine neue Ästhetik der Tonkunst beschwört. 62 Jahre zählt Yo-Yo Ma mittlerweile – und wirkt doch oft genug wie ein spielfreudiger Bursche, wenn er besonders gelungenen Tonfolgen hinterher lächelt oder in den Applaus-Verbeugungs-Ritualen kleine Scherze treibt. Diese Lockerheit bestimmt auch sein Spiel in der abschließenden Suite Nr. 3 in C-Dur: Nie versucht er, Töne mit Gewalt hervorzubringen; immer paart er elegante Lässigkeit mit stringenter Klarheit. Diese Melange darf als referenziell für die Interpretation der Suiten Johann Sebastian Bachs gelten, in denen sich Yo-Yo Ma wie der Hausherr eines nur hörbaren Anwesens von ungewöhnlicher Schönheit bewegt.

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