LANG LANG SPIELTE IM HÖRSAAL DER MÜNCHNER ANATOMIE

Unbezahlbares

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Lang Lang (li.) und George Harliono. foto: Czirnich/ Mastercard

von maximilian maier. Bei aller Skepsis: Am Sonntag wurde Mastercard seinem bekannten Werbeslogan („Unbezahlbar“) gerecht.

Während Lang Lang seit Monaten alle Konzerte absagt und auch für das nächste halbe Jahr pausieren muss, zauberte die Kreditkartenfirma den Starpianisten für ein nichtöffentliches Event in München aus dem Hut. Was würde er spielen? Wie? Und für wen? Letztere Frage löste sich zuerst auf.

Vor dem Zusammentreffen mit dem Sehnenscheidenverletzten im Historischen Auditorium der Anatomischen Anstalt in der Pettenkoferstraße gibt es einen Empfang direkt gegenüber. Dort tummeln sich die Erwartungsfrohen. Sie alle spendeten für die Welthungerhilfe und konnten so ein kleines Privatkonzert mit Lang Lang gewinnen. Mastercard arbeitet seit Jahren eng mit ihm zusammen und unterstützt auch seine 2008 gegründete Musikstiftung. Solche Partnerschaften sind halt (fast) unbezahlbar, da gibt sich auch ein verletzter Künstler die Ehre.

Der historische Anatomie-Hörsaal ist optisch sehr reizvoll. Man kommt sich ein bisschen vor, als sei man Teil der ARD-Serie „Charité“. Sehr steil, fast „elphimäßig“, ragen die Tribünen empor. Im U-förmigen Ausschnitt in der Mitte, dort wo sonst die Leichen seziert werden, steht ein Flügel. Gruselig? Nur als die Saalbeleuchtung kurzzeitig gedimmt und auf kaltes, schauriges Rot gestellt wird. Da hofft man klammheimlich, dass nicht das Phantom des Anatomiesaals vorbeischaut…

Herein kommt aber Lang Lang mit einem seiner Meisterschüler, dem 16-jährigen Briten George Harliono. Bekanntlich hat sich Lang Lang beim Üben des „Konzerts für die linke Hand“ von Maurice Ravel die Sehnenscheidenentzündung zugezogen. Das heißt: Mit der rechten geht es eigentlich. An der Seite von Harliono spielte er dann einige dreihändige Bearbeitungen, darunter „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns, Griegs „Peer Gynt“ oder Mozarts „Türkischen Marsch“. All dies mutet wie eine launige, spontane Session unter Kumpels an, gewürzt mit einer Prise Klavierstunde. Beide Pianisten sprühen vor Elan, grinsen breit und rumpeln begeistert durch die Stücke. Richtige und falsche Noten knallen in die helle Akustik und werden von Lang Lang mit kleinen, aber edlen Dirigiergesten (bitte Vorsicht mit der linken Hand!) sowie effektvollem Schnauben begleitet.

George Harliono, der seine beiden Hände dabei auf wenig Raum unterbringen muss, ist nicht zu beneiden. Viel Grobes dort, wo an normalen Tagen demonstriert wird, dass beim menschlichen Körper feinste Unterschiede über Leben und Tod entscheiden. Lang Lang ist ein Weltklassekünstler und kann Menschen unnachahmlich mitnehmen. Das macht auch das verzückte Publikum deutlich. Es ist ihm und uns nur zu wünschen, dass er schnell wieder fit wird und auch öffentlich spielen kann. Dann auf gewohnt höchstem Niveau.

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